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Nr. 77-80
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Zeitschrift Nr. 124, März 2013

In der Nummer 124 unserer Zeitschrift finden sich folgende Themen:

Ausgabe 124


Vorwort

Liebe Hildegard- Interessierte und -Begeisterte,

schön, dass Sie sich wieder Zeit für unsere Hildegard Zeitschrift nehmen. Gerade heutzutage, wo fast alles schneller zu laufen scheint, werden freie Minuten und Stunden immer kostbarer. In der benediktinischen Tradition sind sie ein regelmäßiger Bestandteil des Tagesablaufes. Hoffentlich können wir alle diese geschenkten ´Freizeiten´ genießen und für uns positiv nutzen. Aus Gesprächen mit Kranken, aber auch Gesunden erfahre ich immer wieder, wie notwendig es ist, sich selber diese Auszeiten zu gönnen. Bisweilen kann das wirklich `Not-wendend` sein.
Auch ein kurzes Auskoppeln aus dem Alltags- und Berufsleben ist oft hilfreich und Kraft schöpfend.
Der heilige Benedikt kannte dies selber sehr genau und legte es in seiner Regel als „ora et labora“, „bete und arbeite“ fest.
Heute gilt es, dieses individuell und stimmig zu übersetzen. Das ora (bete) kann dann durchaus ein In- Sich- zur- Ruhe- Kommen, eine kurze Meditation, ein Blick oder ein Verweilen in der Natur, ein Stoßgebet und vieles mehr sein, was aufbauend wirkt. Manchmal nenne ich es die innerliche „Zigarettenpause“ ohne Zigarette. Gerade aus dieser Ruhe können wir die Aktivitäten, zu denen uns das Frühjahr und erneute Erwachen, Blühen und Wachsen der Natur einlädt, besser gestalten und erleben. Gönnen Sie sich einen Gang im Freien, z. B. an einem Bachlauf und schöpfen Sie Kraft aus der Natur.
Wir hoffen, dass Sie aus dieser Zeitschrift die eine oder andere Anregung dazu auf Ihrem Weg zur Freude, Erfüllung und Gesundheit nehmen können.
Gerne lade ich Sie zu unserer Frühjahrstagung in Hersberg ein, in der wir in der wunderschönen Bodensee- Region neue Einblicke und Hilfen aus der Heil(s)- Kunde erfahren möchten.
Ein besonderes Ostererlebnis hatten wir in dem Bergdorf Manoppello, wo das „Volto Santo“ verehrt wird. Mehr dazu in dem Artikel.
Mit herzlichen Ostergrüßen von unserem Vorstand und meiner Frau verbleibe ich

Ihr / Eurer
Michael Ptok

Präsident der Internationalen Gesellschaft Hildegard von Bingen, CH Engelberg


Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz -
Ein unbequemes, tiefes und heiliges Charisma2

Vortrag auf Einladung des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland beim Hl. Stuhl am Vorabend der feierlichen Erhebung der hl. Hildegard zur Kirchenlehrerin am 6. Oktober 2012 in Rom
2. Teil

http://www.bistummainz.de/bistum/bistum/kardinal/index.html?f_action=show&f_newsitem_id=32142

Volto Santo in Manoppello - Das Antlitz Christi 

Wie Sie vielleicht wissen, durften wir die Erhebung der Hl. Hildegard zur Kirchenlehrerin in Rom als besonderes Jahrhundertereignis miterleben. Heute möchten wir Sie an unserem zweiten persönlichen Höhepunkt dieser Italienreise teilhaben lassen.
Nach den Feierlichkeiten in Rom fuhren wir am 8. Okt. 2012 quer über den Stiefel in Richtung Adriaküste. Dort liegt ca. 200 km entfernt in den Abruzzen das Bergdorf Manoppello. In der Basilika des Kapuzinerklosters wird eine Reliquie der Urchristenheit aufbewahrt, die sich auf den Ostertext aus dem Johannes- Evangelium bezieht.
Im Dunklen angekommen, wurden wir von einer Ordensschwester und einem Mönch empfangen, als hätten sie auf uns gewartet. Denn obwohl die Kirche für Besucher sonst um diese Zeit schon geschlossen ist, ließen sie uns noch in die Basilika zum Heiligtum eintreten. Über dem Altar leuchtete uns ein kleines, helles Tuch entgegen, der `Schleier von Manoppello`.
Hinter dem Altar führt jeweils rechts und links eine Treppe zur Mitte hinauf zu einem purpurfarbig ausgekleideten Glas-Tresor, in dem das Volto Santo, ital. das „Heilige Antlitz“ in einem verziertem Holzrahmen verehrt wird. Dieses Tuch ist ein durchsichtiges Schleiertuch mit der Breite von 17cm mal 24 cm Länge. Fällt das Licht im richtigen Einfallwinkel darauf, so wird ein Gesicht erkennbar, welches nach der Tradition `Vero nicon` griech.-lateinisch bezeichnet wird. Übersetzt bedeutet dies: Das wahre Antlitz Christi.
Nur von der Glasscheibe getrennt standen wir plötzlich Auge in Auge dem Antlitz des Auferstandenen gegenüber.
Sr. Petra-Maria aus Stuttgart trat hinzu und beleuchtete für uns das Tuch mittels eines Lichtschalters von verschiedenen Seiten. So sahen wir die Umrisse schärfer und konnten ihren Erläuterungen zu den Besonderheiten des Antlitzes folgen: Unübersehbar sind die schlimmen Folterwunden auf Nase, Wangen und dreieckige Einkerbung des linken Unterlids. Das Erstaunliche aber ist: Sie sind in einem Abheilungsprozess begriffen auf dem Tuch festgehalten. Die Totenblässe noch auf der Stirn weist diese stellenweise schon eine fein rosafarbene Durchblutung der Haut auf. Bart- und Kopfhaare sehen verschwitzt und verklebt aus. Bedenkt man die schwer durchgemachte Leidens- und Sterbenszeit, gewinnen wir aus der Betrachtung des Antlitzes den Eindruck, dass der Herr gerade- selbst erstaunt- aus seinem Totenschlaf aufwachend -auferstanden ist.
Das Tuch ist durchsichtig und fein wie Spinnengewebe. Lange Zeit wusste man nicht, aus welchem Material es gewebt ist. Die goldfarben glänzenden Fäden bestehen aus Ankerwürzelchen einer Mittelmeermuschel. Byssus nennt man sie, die zu Muschelseide verarbeitet werden.
Heute gibt es noch eine einzige Frau auf Sardinien, die diese Kunst beherrscht. Solche Schleier waren um die Zeit Jesu wertvolle Königskopftücher, die über das umhüllende Leichentuch gelegt wurden. Das Erstaunliche und Wundersame ist, dass dieses Material nicht bedruckt oder bemalt werden kann. Die deutsche Schwester berichtete von wissenschaftlichen Untersuchungen der Universität Bari, die keine Farbreste von Malereien ergeben haben. Andere Untersucher meinten am Rand Farbreste gefunden zu haben. Sie könnten aber auch vom Holzrahmen des Bildnisses stammen. Wie eine Fotografie hat sich das Gesicht in das hauchdünne Tuch eingebrannt. Dafür sprechen neuere Untersuchungen des Stoffgewebes.
Sr. Petra- Maria zeigte uns anderntags nach der Frühmesse die kleine Ausstellung in einem Nebenraum der Basilika. Hier eröffneten sich uns als Betrachtende neue Zugänge durch die guten Darstellungen von Sr. Blandina Paschalis Schlömer, einer Trappistin aus Bochum. Als Kunsthistorikerin, Ikonenexpertin und Pharmakologin ausgebildet, hat sie sich zur Lebensaufgabe gemacht, über dieses heilige Tuch in Zusammenarbeit mit dem Jesuitenpater und Kunsthistoriker Prof. Dr. Pfeiffer SJ, Rom zu forschen, zu berichten und nachzuweisen, dass der Schleier von Manoppello einen gemeinsamen Ursprung mit dem Grabtuch Jesu Christi habe. Prof. Pfeiffer ist ein anerkannter Fachmann für frühchristliche Ikonographie und Experte des Turiner Grabtuchs. Die Abbildungen im Ausstellungsraum dokumentieren sehr plastisch ihre jahrelange Forschungsarbeit. Übereinander gelegte Folien der Fotos vom Antlitz des Schleiertuchs und des Turiner Grabtuchs, und auch des Sudariums von Oviedo in Nordspanien ergaben identische Gesichtsproportionen des ca.1,80 m großen Mannes. Diese Länge ergibt sich aus den Körperabdrücken des Turiner Grabtuchs.
Auch die frühchristlichen Ikonen zeigen diese genauen Übereinstimmungen, so dass die Kunstmaler das Volto Santo in den ersten Jahrhunderten gekannt haben mussten: Die Abstände der Gesichtspartien stimmen überein! Auch dies hat Sr. Blandina für die Pilger anschaulich festgehalten.
Sind die Augenlider beim Turiner Grabtuch geschlossen, so sieht der Betrachtende beim Manoppello-Tuch in geöffnete Augen.
Mit unverkennbarem Ruhrgebietsdialekt erklärte und zeigte Sr. Blandina uns am nächsten Morgen im Licht ihrer Stabtaschenlampe und auch nur im morgendlichen Fensterlicht die ganz unterschiedlichen Eindrücke der Gesichtszüge Jesu.
Je nach Lichteinfall sind sie sehr veränderlich zu sehen und wirken immer wieder anders und sehr lebendig. Wir waren tief berührt. Weil das Antlitz je nach dem Licht und der Spiegelung der Kirchenfenster so unterschiedlich ist, geben Fotos die Eindrücke leider nur sehr unvollständig wieder.
Geht man davon aus, dass sich das Turiner Grabtuch durch die Einbalsamierung mit Aloe und Myrrhe wie eine lichtempfindliche Fotopapierbeschichtung verhalten hat, dann ist durch ein großes Lichtereignis danach das Leinentuch als Negativ belichtet worden, was dann das nächst höhere Tuch als Positivbild in einem anderen Augenblick abgedruckt hat. Und das ist das Volto Santo.
Prof. Pfeiffer berichtete uns schon 1995 als Teilnehmer des Kongresses Imago Mundi in Innsbruck, dass mehrere Tücher übereinander den Leichnam bedeckt hätten. Er sprach von „ Energiestrahlen, die von dem im Grabtuch eingehüllten Körper ausgingen, zuerst die Oberschicht des Grabtuchlinnens in das Negativ eines Körperbildes und dann durch dieses Negativ hindurch das darüber liegende Tüchlein in ein Positivbild vom Antlitz Jesu verwandelt haben,“ S. 21 Prof. Dr. Heinrich Pfeiffer SJ. Rom, Kongressheft: Paranormologie und Religion 12.-16. Juli 1995-
So wäre auch die millimetergenaue Übereinstimmung der Antlitze auf den Tüchern zu erklären.
Fragt man sich wie das Tuch in dieses abgelegene Kapuzinerkloster gekommen ist, erfährt man vor Ort, dass es höchstwahrscheinlich als hochverehrte Reliquie des Veronika- Schweißtuches in Rom gestohlen wurde. Es soll sich um das Jahr 1608 zugetragen haben, als im alten Petersdom ein Umbau- und Abrisswirrwarr für den neuen Petersdom herrschte.
Eine Schenkungsurkunde eines Rechtsanwaltes im Jahr 1648 wiederum bestätigt die Abgabe des Tuches bei den Mönchen in Manoppello.
Sie alle kennen das Osterevangelium nach Johannes 20,1-9, in dem die Beziehung zu dem Volto Santo herstellbar ist, und so können wir die Aussagen nun in einem ganz anderen Licht verstehen.

"Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. 2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. 3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; 4 sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab.
5 Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. 6 Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen 7 und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. 8 Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. 9 Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste."
Die Bibel, Einheitsübersetzung

Papst Johannes Paul II hat die Tradition des Schleiertuch-Auflegens zu seiner Beisetzung in der Nachfolge Christi wieder aufgenommen.

Agnes Ptok, Religionspädagogin,
Bielefeld


Nachruf für Schwester Caecilia Bonn OSB, Abtei St. Hildegard, Eibingen, + 1. Dezember 2012

Am 1.12.2012 ist die sehr geschätzte Schwester Caecilia Bonn OSB in der Bendediktinerinnen-Abtei in Eibingen im Alter von 87 Jahren verstorben. Vielen langjährigen Hildegard-Freunden ist sie aus ihrer aktiven Zeit noch in guter Erinnerung. Sie war eine profunde Kennerin der Heiligen Hildegard und wurde nicht müde, bei vielen Gelegenheiten den Menschen unserer Zeit das prophetische Wort Hildegards zu vermitteln.

Glücklich schätzen dürfen sich jene, die das kostbare Büchlein von Sr. Caecilia „Im Herzen der Schöpfung – Meditationen zu Miniaturen aus den Werken von Hildegard von Bingen“ ihr eigen nennen können. Leider ist es seit vielen Jahren vergriffen und wurde bisher nicht wieder aufgelegt.
In der Zeitschrift der Internationalen Gesellschaft Hildegard von Bingen finden sich seit den ersten Jahren ihres Bestehens immer wieder Aufsätze und Ansprachen von Sr. Caecilia, wodurch auch die Spiritualität der Heiligen Hildegard in unserer Gesellschaft einen Platz gefunden hat. Wir sind dafür sehr dankbar, dass wir der Schwester begegnen durften und sind sicher, dass sie bei Gott eine Fürsprecherin für die authentische Verbreitung ihrer so wichtigen Botschaften ist.
Im Folgenden veröffentlichen wir einen Auszug aus einer Ansprache von Sr. Caecilia am Hildegardisfest in Eibingen, am 17.9.1988, die heute genauso aktuell ist wie vor 25 Jahren. Unter den vielen Stimmen, die sich heute zur Heiligen Hildegard zu Wort melden, wehen uns die Worte von Sr. Caecilia an als ein Hauch, der uns von Hildegard selbst trifft.

„Liebe Schwestern, liebe Brüder!
Eigenartig wie das zugeht, dass einen plötzlich eine Stimme aus der Entfernung von Jahrhunderten anredet, als meine sie mich, als meine sie uns heute, ganz persönlich, in dieser ganz bestimmten Menschen- und Weltsituation. So ergeht es uns mit dem Wort der heiligen Hildegard, dieser „Posaune Gottes“, so nennt sie sich selbst...
Es brauchte allerdings Jahrhunderte, bis wir wieder ein Ohr für den Ton aus längst vergangener Zeit haben, ein Ohr z.B. für den erschütternden Aufschrei der Naturelemente, den Hildegard vernimmt. "Wir können nicht mehr laufen und unsere natürliche Bahn vollenden; die Menschen kehren uns mit ihren schlechten Taten von unterst zu oberst und wir - die Luft und das Wasser - wir stinken schon wie die Pest.“
Hildegard riecht bereits im 12. Jahrhundert einen vermehrten Weltgestank. Sie spricht von Luftvergiftung und klimatischen Katastrophen, von schleichenden Geschwüren bei Mensch und Tier. Sie schaut, wie das Grün der Erde verdorrt, wie die Wälder absterben. „Nun speit die Luft Schmutz aus, so dass der Mensch nicht einmal wagt, seinen Mund zum Atmen zu öffnen."
Wann wird das sein, Meisterin Hildegard, was ihr da ankündigt? So wird die Prophetin gefragt. Sie gibt Antwort. Es wird zu einer Zeit sein, in der die Menschen zueinander sprechen: "Lasst uns endlich das unerträgliche Joch der Gebote Gottes abschütteln. Gott ist ein Tyrann.“ Wenn die Menschen sich so sittlicher Freizügigkeit hingeben und kein Gesetz mehr anerkennen, dann handeln sie sich nach den Worten Hildegards den Terror und die Depressionen ein, ja eine Art Selbstmordstimmung: der Mensch scheut sich ja auch nicht mehr, einen anderen umzubringen, sein Leben ist ihm nichts wert! Eine erschütternde Analyse!
Der Mensch hat sich quer zu Gott gelegt und damit auch quer zur Umwelt. Er belastet mit seiner eigenen Verfremdung nicht nur sich selbst, sondern bringt draußen alles in Verwirrung... Sind wir heute nicht an diesem gefährlichen Punkt angelangt? "Halt ein, du baust eine Ruine", so rief Hildegard den Menschen ihrer Zeit zu. "Halt ein, du baust eine Ruine ", so ruft sie auch jetzt... Hier trifft uns die Botschaft der heiligen Hildegard. Sie stellt einer krank gewordenen Menschheit nicht nur die Diagnose – etwa, wenn sie einem Menschen in Todesgefahr rät, wenigstens der Luft noch seine Sünden zu bekennen, denn er hat sie verschmutzt – Hildegard zeigt uns die Therapie und richtet uns mit ihrem Wort zugleich auf. Wir brauchen nicht in unserer Ohnmacht angesichts der Giganten von Wirtschaft, Politik und Technik in Panik oder Resignation zu geraten. In ihrer wahren Schau – so betont die Prophetin immer wieder – sieht sie, welch gewaltige Kraft der Mensch besitzt. Obwohl er im Verhältnis zum Weltganzen jämmerlich klein an Gestalt ist, vermag er viel, wenn er sich dem Wirken Gottes öffnet, wenn er Gott einlässt in diese Welt, indem er sich in Freiheit für das Gute entscheidet...
Heimkehr zu Gott, immer und immer wieder neu, Bitten mit der insistierenden Hoffnung, dem Berge versetzenden Glauben, dass wir mit unserem Gott über Mauern springen können, dass wir mit ihm Zukunft eröffnen können: das ist der Kern des prophetischen Anrufs der heiligen Hildegard...“

Wir werden Sr. Caecilia Bonn immer ein ehrendes Andenken bewahren und sollten sehr darauf achten, dass ihre wichtige Stimme weiterhin gehört wird.

Hildegard Strickerschmidt, Bingen


Wie unterscheidet sich die Hildegard- Heilkunde von der wissenschaftlichen Medizin, der Naturheilkunde sowie der TCM (2. Teil)

von Dr. med. Michael Ptok

In diesem Artikel wird eine Besonderheit der hildegardischen Medizin dargestellt, die von den bekannten Prinzipien der Medizin abweicht bzw. diese ergänzt und ein spezifisches Charakteristikum darstellt. Gleichzeitig wird dabei deutlich, dass sich die Ansätze und das Verständnis z.B. der Traditionell Chinesischen Medizin nicht unmittelbar auf die Hildegard- Heilkunde übersetzen lassen. Die Hl. Hildegard beschreibt u.a. bei den einzelnen Pflanzen und Bäumen die Qualitäten warm und kalt, erklärt ihre Eignung als Lebens- und /oder Heilmittel und ordnet sie Krankheitserscheinungen zu, die ebenfalls im Wärme- oder Kälte- Ungleichgewicht sind. ...

6. Heilmittel haben sowohl warme als auch kalte Qualitäten

Klee: 1-108
„Der Klee ist sowohl warm als kalt, und er ist auch trocken, (R1- 306) und für die Weide des Viehs ist er nützlich.“
...

7. allgemein gute Wärme
Dinkel: 1-5
„Der Dinkel ist das beste Getreide, und er ist warm und fett und kräftig, und er ist milder als andere Getreidearten, und er bereitet dem der ihn isst rechtes Fleisch und rechtes Blut, und er macht frohen Sinn und Freude im Gemüt des Menschen.“
[Anmerkung: Nach dieser Aussage eignet sich der Dinkel für Kranke und Gesunde unabhängig vom Naturell. Die langjährige Praxis- Erfahrung zeigt, dass sogar adipöse Patienten mit diesem Getreide abnehmen können.]

Bohne: 1-7
„Die Bohne ist warm, und für gesunde und starke Menschen ist sie gut zu essen, und sie ist besser als die Erbse.“

Zimt: 1-20
„Der Zimt ist auch sehr warm und hat starke Kräfte und hält auch mäßige Feuchtigkeit in sich; aber seine Wärme (ist) so stark, dass sie jene Feuchtigkeit unterdrückt, (R1- 056) und wer ihn oft ißt, (dem) mindert er die üblen Säfte und bereitet gute Säfte in ihm.“

Muskatnuss: 1-21
„Die Muskatnuss hat große Wärme und eine gute Mischung in ihren Kräften. (R1- 609) Und wenn ein Mensch die Muskatnuss ißt, öffnet sie sein Herz und reinigt seinen Sinn und bringt ihm einen guten Verstand.“
...
Kastanienbaum: 3-12
„Der Kastanienbaum ist sehr warm, hat aber doch große Kraft, die der Wärme beigemischt ist, ...(R3- 064) Und was in ihm ist und auch seine Frucht ist nützlich gegen jede Schwäche,  “

Zitwer: 1-14
„Der Zitwer ist mäßig warm und hat große Kraft in sich...(R1- 036) Und wer viel Speichel und Schaum in sich hat, der pulverisiere Zitwer und binde dieses Pulver in ein Tüchlein und ...und so lasse er es über Nacht im Wasser und trinke morgens oft davon nüchtern, und der Speichel und der Schaum wird weichen. “

8. allgemein gute Kälte zur generellen Unterstützung
Flohkraut: 1-24
„Das Flohkraut ist von kalter Natur, und in jener Kälte hat es eine angenehme Mischung. …
(R1-068)…und es fördert und stärkt sein Gehirn, sowohl durch Kälte als auch durch seine Mischung, zur Gesundung.“

Kürbisse: 1-87
„Die Kürbisse sind trocken und kalt und wachsen von der Luft. (R1-243) Und sie sind für Kranke und Gesunde gut zu essen.“
...
Maulbeerbaum: 3-9
„Der Maulbeerbaum ist kalt im guten Sinn…Und es ist Üppigkeit in seiner Frucht...aber sie nützt dem Menschen mehr als sie ihm schadet.“

9. eher schädliche Wärme
Pfeffer:1-16
„Der Pfeffer ist sehr warm und trocken und hat ein gewisses Verderben in sich, und (R1-607)
schadet, viel gegessen, dem Menschen und verursacht in ihm Brustfellentzündung und er gibt
die Säfte in ihm preis und bereitet üble Säfte in ihm.“

Ingwer:1-15
„Der Ingwer ist sehr warm und ausgedehnt, das heißt zerfließlich, und sein Genuss schadet einem gesunden und fetten Menschen, weil er ihn ... matt ... macht. (R1- 039) Aber wer in seinem Körper trocken ist und fast schon stirbt, der pulverisiere Ingwer und nehme nüchtern dieses Pulver mäßig in Suppen und esse es bisweilen mäßig mit Brot...Aber sobald es ihm besser geht, esse er es nicht mehr, damit er davon nicht Schaden nimmt.“
...
10.eher schädliche Kälte
Gerste: 1-4
„Die Gerste ist kalt, so dass sie kälter und schwächer ist als die vorgenannten Feldfrüchte…schadet sowohl Gesunden als auch Kranken, weil sie nicht solche Kräfte hat…(R1- 008) Aber der Kranke, der schon am ganzen Körper ermattet, der koche die Gerste stark in Wasser....und nehme darin ein Bad, und er tue dies oft, bis er geheilt wird..."

Die Zitate sind dem Buch „Physica“, übersetzt von M.L. Portmann, Basel Pattloch- Verlag, 1997 entnommen. Sie zeigen wie differenziert und detailliert Hildegard die einzelnen Pflanzen und Bäume beschreibt.


Der Bärlauch Allium ursinum

Das erste zarte Grün fängt in unserem Garten Ende Februar/ Anfang März an schattigen Stellen an zu sprießen. Es ist der Bärlauch, der sich dann bald flächendeckend ausbreitet und kräftiges Grün in das sonst noch farblose winterliche Beet zaubert. Wäre nicht diese frühe Jahreszeit sondern Mai, könnte man dieses Zwiebelgewächs mit länglichen Blättern nur mit geschultem Blick von den grünen Maiglöckchenblättern unterscheiden.
Das besondere Erkennungs- und Unterscheidungsmerkmal nimmt die Nase schnell beim Zerreiben der Blätter wahr: Bärlauch hat Knoblauchgeruch. Aber auch die Blüten unterscheiden sich. Die vielen weißen Sternchen-Blüten sitzen auf einem ungefähr 20 cm langen Stängel zu einem „ball“-artigen luftig lockeren Gebilde geformt. Das Maiglöckchen dagegen entwickelt weiße Glockenblüten.

Pflanzt man zwei Bärlauchpflanzen vom Wochenmarkt, so vermehren sie sich bald so stark, dass im zweiten Jahr schon ein kleiner Bärlauchteppich vorhanden ist. ausbreitet und genug „Bärlauchspinat“ zubereitet werden kann. Die Verbreitung geschieht einerseits durch schwarze Samen, die durch Ameisen fort getragen werden und mittels weißer Zwiebelchen. Im Juni vergehen nach der Blüte die Blätter, so dass der Bärlauch von Juni bis Februar unsichtbar ruht, bis er im Frühjahr wieder erneut erscheint.
Die Blätter enthalten viel Vitamin C, wertvolle Öle, sekundäre Pflanzenstoffe (Flavonoide), Schwefel, ätherische Öle und Senfölglyzerine, die antibakteriell wirken. Für Gourmets ist Bärlauch im Frühjahr unverzichtbar als Suppe, Gemüse und für Füllungen. Auch bei uns trägt er zur Bereicherung des Speiseplans bei.
Hildegard schrieb:
„und roh ist er so schädlich und giftig zu essen wie der Saft unnützer Kräuter...Gekocht ist er gesund zu essen...gut ist er gekocht für jene, die Schüttelfrost oder Fieber oder Gicht haben. Magenkranke vertragen ihn nicht gut.“ Physica 1- 83
Wer die Pflanze wild wachsend im Wald pflückt, sollte an die evtl. Gefahr des Fuchsbandwurms denken. Er kann sich in der Leber einnisten und dort Wucherungen verursachen. Die Zahl der tatsächlich nachgewiesenen Infektionen ist jedoch gering, beim Hundebandwurm mehr.. Jegliches Risiko meidet man durch Hildegards Anwendung des kurzen `Kochens`. Hitze tötet die Eier ab. Oder man reibt jedes Blatt mit einem Tuch ab.

Gesundheitliche Wirkungen
Bärlauch ist ein starkes Entgiftungs- und Ausleitungsmittel für Umweltgifte durch die Schwefelverbindungen, welche ACE-hemmende Wirkung auf das Nierenhormon haben. ACE ist eine Körpersubstanz, die den Blutdruck erhöht, wenn zu viel davon produziert wird. Somit kann Bärlauch auch einen nierenbedingten Blutdruck senken helfen.

Bärlauch räumt im Darm auf:
  • Regt Darmenzyme zur Verdauungsförderung an,
  • Baut falsche Gärungs- und Fäulnisgase ab durch Verminderung der schlechten Darmbakterien,
  • Unterstützt die guten Mikroben der Darmflora
  • Steigert so auch die Immunabwehr.
  • Wirkt entgiftend auf angesammelte Umweltschadstoffe. Deshalb wird er auch für Amalgam- und Metallausleitungen genutzt.
Bärlauch unterstützt die Blutgefäße:
  • Ist blutreinigend,
  • Wirkt der Arterienverkalkung entgegen und
  • Beugt so Herzinfarkt und Schlaganfall vor.

HP Agnes Ptok, Bielefeld

Kulinarisches

Feine „Römercreme“

Ein schmackhaftes Dessert für sechs Personen. 400 g entsteinte Kornelkirschen in 200 ml Wasser einige Minuten weichkochen, danach pürieren. Mit einem Glas trockenen Weisswein aufkochen und 80 g Dinkelgriess einrühren. Kurze Zeit einköcheln lassen, 150g Zucker zugeben und 100 ml geschlagene Sahne unterheben.
Gefrorene, aufgetaute Kornelkirschen lassen sich gut entsteinen.

Kastanienschnee

450 g fertiges Kastanienmus
80-100 g Zucker
1 EL Rum
1 EL Kakao
6 Blatt Gelatine / oder entsprechend Agar-Agar
2 Becher süsse Sahne

Das Kastanienmus cremig rühren, Zucker, Kakao und Rum zugeben. Die Masse in die aufgelöste Gelatine / Agar-Agar einrühren und die Hälfte der geschlagenen Sahne unterheben. Das Ganze steif werden lassen. Die festgewordene Masse durch die Vermicellepresse auf eine Dessertplatte drücken.Die andere Hälfte der geschlagenen Sahne mit Zucker abschmecken und um den Kastanienschnee spritzen. Kühl stellen.

Elisabeth Boner, Bichwil