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Nr. 77-80
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Zeitschrift Nr. 122, September 2012

In der Nummer 122 unserer Zeitschrift finden sich folgende Themen:

Ausgabe 122


Vorwort

Sehr geehrte, liebe Hildegard- Interessierte und -Begeisterte,

erfreut und gespannt blicken wir nach Rom, wo Papst Benedikt XVI am 7. Oktober die Hl. Hildegard zur Kirchenlehrerin ernennen wird. Damit ist sie dann in der 2000- jährigen Geschichte der Christenheit die dritte Frau, der diese Ehre zuteil wird. Für alle, die sich bis jetzt im Dienste Hildegards engagierten, ist dies eine wertvolle Bestätigung. Die schon vor fast 800 Jahren eingeleitete und nun vollzogene Aufwertung wird sicher zu einer weiteren Popularität beitragen und bietet große Chancen.

Ihre Visionen, die sie weltberühmt machten, erhielt sie zum Nutzen der Menschen vom „Lebendigen Licht“ ihres Schöpfers und Erlösers. Dieser bedeutete für sie die Quelle des Lebens und der Hoffnung. Hildegard geht es in ihren Aussagen immer und vor allem um den ganzen Menschen in seiner Beziehung zu sich selbst, zum Nächsten, zur Umwelt und zu Gott. Gleichzeitig wollte sie uns damit den Horizont für eine größere Realität öffnen, die weit über das Mess- und Sichtbare hinausgeht und im Glauben erfassbar wird. 

Das benediktinische „ora et labora“ „bete und arbeite“ kann dabei gerade in einer Zeit der großen Hektik ein bedeutsamer Impuls sein, diesen Wahrheiten nachzuspüren.
Die Verbindung ihrer geistlich theologischen sowie der naturheilkundlich- lebenspraktischen Aussagen kann und soll zur Fülle des Lebens (Joh. 10, 10) führen.
Dazu gehören beispielsweise die Hinweise zur Discretio, dem rechten Maß und zum Wert der Freude genauso wie eine rechte Ernährung, die als Gesundheits-Vorsorge und als Heilmittel bei Krankheiten dienen kann neben den Heilmitteln aus dem Pflanzen-, Tier- und Steinreich.

Eine verkürzende Darstellung der Äbtissin als Kräuter- Nonne sehen wir genauso problematisch wie Hildegard- Zentren, in denen Rat- und Therapiesuchende vergeblich nach konkreten hildegardischen Impulsen ihrer geistlichen und naturheilkundlichen Werke Ausschau halten. Unsere ´Internationale Gesellschaft Hildegard von Bingen´ möchte die umfassende Sicht nach ihren Angaben vermitteln und in die heutige Zeit übersetzen.

So hoffe ich, Sie vielleicht in Rom oder in Bingen und Rüdesheim- Eibingen zu unserer Allerheiligen Tagung zu Ehren der Hl. Hildegard vom 1. – 3. November 2012 oder zu einer späteren Veranstaltung zu sehen. Zudem freue ich mich weiterhin über Anregungen und bitte Sie um Ihr Gebet nicht nur für die Hildegard- Freunde, sondern für alle Menschen, die Welt und den Kosmos, die Hildegard als Einheit gesehen hat, in der wir leben.

Ihr / Eurer
Michael Ptok

Dr. med. Michael Ptok, Facharzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Umweltmedizin, Religionspädagoge
Präsident der Internationalen Gesellschaft Hildegard von Bingen, CH Engelberg



Dekret zur Heiligsprechung Hildegards von Bingen vom 10. Mai 2012

„Litterae Decretales“ – Päpstliches Dekret über den Vollzug der Kanonisation Hildegards von Bingen
BENEDIKT XVI. BISCHOF,
Diener der Diener Gottes, zum unvergänglichen Gedächtnis folgender Sache:
„Rufen wir immer den Heiligen Geist an, er möge in der Kirche weise und mutige Frauen  erwecken wie die heilige Hildegard von Bingen, die, indem sie die von Gott erhaltenen Gaben wertschätzen, ihren wertvollen und je eigenen Beitrag zum geistlichen Wachstum unserer Gemeinschaften und der Kirche in unserer Zeit leisten.“
Diese Worte, mit denen wir unsere Katechese am 08. September 2010 beendeten, stellen ein wunderbares Band her zwischen dem Einsatz jener Frau, die im Mittelalter lebte, und dem Weg, zu dessen Vollendung das Volk Gottes in seiner Geschichte unablässig berufen wird. Denn das Leben, die Spiritualität und der Kult Hildegards von Bingen bezeugen voll und ganz und angemessen das absolute und unvergängliche Gut, das die Gemeinschaft mit Gott bedeutet. Diese Gemeinschaft mit Gott bewirkt, dass alle Geschöpfe als Gottes Werke miteinander im Zusammenklang stehen und einander entsprechen. Hildegard stand unablässig vor Gottes Angesicht, um seinen Willen ohne Zögern zu empfangen und aufzunehmen.
Hildegard wurde im Jahre 1098 in Bermersheim in der Nähe von Alzey als Tochter adliger und wohlhabender Eltern geboren. Mit 14 Jahren wurde sie in das Benediktinerkloster auf dem Disibodenberg aufgenommen, in dem sie im Jahre 1115 ihre Ordensgelübde ablegte. Als Jutta von Sponheim etwa im Jahre 1136 starb, wurde Hildegard als ihre Nachfolgerin zur Magistra gewählt. Ihr geistliches Fundament war die Benediktusregel, die zum Weg der Heiligkeit eine geistliche Ausgeglichenheit und eine maßvolle Askese bestimmt. Wegen der wachsenden Zahl der Nonnen, was vor allem ihrer Vorbildlichkeit zuzuschreiben war, gründete sie etwa im Jahre 1150 ein Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen, in das sie mit zwanzig Schwestern übersiedelte. Im Jahre 1165 gründete sie ein zweites Kloster in Eibingen, auf der anderen Rheinseite. Beiden Klöstern stand sie als Äbtissin vor.
Innerhalb der Klostermauern kümmerte sie sich um das geistliche und leibliche Wohl ihrer Schwestern, indem sie für das Gemeinschaftsleben, für den Dienst und für die Heilige Liturgie auf außerordentliche Weise Sorge trug. Außerhalb des Klosters setzte sie sich eifrig für die Stärkung des christlichen Glauben und der Werke ein, indem sie die Irrlehre der Katharer abwehrte, die Erneuerung der Kirche mit Schriften und Predigten unterstützte und die Verbesserung der Disziplin und Lebensweise des Klerus förderte. Auf die Bitte unserer Vorgänger, Hadrian IV. und später Alexander III., hin verwirklichte sie ein fruchtbares Apostolat, als sie – zu damaliger Zeit ungewöhnlich – ab dem Jahr 1159 einige Reisen unternahm, um an öffentlichen Orten und in etlichen Kathedralen die Menschen aufzurütteln, u.a. in Köln, Trier, Lüttich, Mainz, Metz, Bamberg und Würzburg. Ihre tiefe mystische Erfahrung sowie ihre Schriften betreffend den Gottesdienst und die Spiritualität, haben sowohl den Gläubigen als auch prominenten Persönlichkeiten ihrer Zeit großen Nutzen gebracht und bewirkten nachhaltige Erneuerungen in der Theologie, in den Naturwissenschaften und in der Musik.
In der Person Hildegards von Bingen stehen die Lehre und das alltägliche Leben in vollstem Einklang. Die Tugenden, die sie mit großem Einsatz lebte, sind fest in der Heiligen Schrift, der Liturgie und bei den Kirchenvätern verwurzelt. Sie führte sie unter dem Licht der Benediktusregel mit Klugheit zur Vollendung. Sie verband ihren scharfen Geist und die Gabe, mit der sie die himmlischen Dinge verstand, mit beständigem Gehorsam, Einfachheit, Liebe und Gastfreundschaft. Sie bemühte sich darum, dass in ihren zahlreichen Schriften ausschließlich die göttliche Offenbarung kundgetan und Gott in seiner klaren Liebe erkannt wird. Hildegards Lehre zeichnet sich sowohl durch die Tiefgründigkeit und die Richtigkeit ihrer Auslegungen aus als auch durch die Neuigkeit ihrer Visionen, welche die Grenzen ihres Zeitalters weit überschreiten: Ihre Texte, die mit der wahren Liebe des Intellekts durchdrungen sind, bringen eine außergewöhnliche Lebenskraft (viriditas) und Frische hervor, wenn man sie betrachtet im Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, der Inkarnation, der Kirche, der Menschheit und der Natur, die der Mensch als Gottes Geschöpf zu betrachten und der er zu dienen hat.
Nachdem sie im Sommer 1179 durch schwere Krankheit heimgesucht wurde, starb sie am 17. September 1179 auf dem Rupertsberg bei Bingen, umgeben von ihren Schwestern, im Rufe der Heiligkeit.
Aufgrund dieses Rufes, der nach ihrem Tod wuchs, und auch aufgrund zahlreicher Wunder, die ihrer Fürsprache zugeschrieben wurden, baten die Nonnen des Klosters Rupertsberg unseren Vorgänger Gregor IX., dass ihre Mutter und Magistra auf Erden verherrlicht werde. Am 27. Januar 1228 beauftragte der Papst durch ein apostolisches Schreiben bestimmte Mainzer Prälaten, die entsprechenden Untersuchungen durchzuführen. Diese erfüllten die ihnen anvertraute Aufgabe innerhalb von fünf Jahren. So wurden die Prozessakten am 06. Dezember 1233 nach Rom gebracht, zusammen mit einer Lebensbeschreibung Hildegards, mit ihren Schriften und mit deren Beurteilung, welche die Theologische Fakultät in Paris ausstellte und die Wilhelm von Auxerre summarisch so zusammenfasste: „Hildegards Schriften enthalten keine menschlichen, sondern göttliche Worte.“ Da die Prozessakten sich jedoch als mangelhaft erwiesen, wurden diese an die Richter zurückgeschickt zusammen mit einem Brief des Papstes, der auf die zu ergänzenden Lücken hinwies. Trotz dieser Hindernisse war die öffentliche Anerkennung und Verbreitung der Heiligkeit Hildegards offensichtlich. Ihr Name wurde in das örtliche Martyrologium aufgenommen und sogleich begann ihre Verehrung, welche die Amtsträger der Kirche von Mainz billigten. Daraufhin gewährte unser Vorgänger Johannes XXII. dem Kloster Rupertsberg einige Ablässe und sprach offen vom „Fest der heiligen Hildegard“. Dies war das erste päpstliche Dokument, das, am 26. August 1326 ausgestellt, Hildegard als „heilig“ bezeichnete. Von da an wird ihre Heiligkeit in den offiziellen Martyrologien immer vermerkt. Durch ein Schreiben vom 21. Februar 1940 ermöglichte der ehrwürdige Diener Gottes Pius XII., dass die Verehrung der „heiligen Jungfrau Hildegard“, die sich bislang nur auf einige Kirchen Deutschlands bezog, auf das ganze Volk übertragen wurde. Auch unser Vorgänger, der selige Johannes Paul II. nannte Hildegard im Jahre 1979 aus Anlass des Jubiläums zu ihrem 800. Todestag öffentlich „heilig“. Schließlich haben wir selbst im Jahre 2010 in zwei Generalaudienzen dasselbe gesagt.
Am 06. März 1979 hat unser ehrwürdiger Bruder Joseph Kardinal Höffner, Erzbischof von Erzbistum Köln und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, zusammen mit deren Mitgliedern, zu denen auch wir, damals Kardinal und Erzbischof von München und Freising, gehörten, dem seligen Johannes Paul II. die Bitte unterbreitet, dass Hildegard von Bingen zur Lehrerin der Universalkirche erhoben werde. In dieser Bitte hob unser ehrwürdiger Bruder die Rechtgläubigkeit von Hildegards Lehre hervor, die unser Vorgänger Eugen III. bereits im 12. Jahrhundert anerkannt hatte, sowie ihre Heiligkeit, die beim Volk bis heute fortbesteht, ebenso die Vorzüglichkeit ihrer theologischen, naturkundlichen und musikalischen Schriften. Dieser Bitte, die wir erwähnt haben, folgen mehrere Bitten, vor allem der Nonnen des Klosters in Eibingen, das Hildegards Namen trägt. Außer was die Heiligkeit betrifft, wurde hier auch die Bitte hinzugefügt, dass Hildegard zur Lehrerin der Universalkirche erhoben werden möge.
Mit meiner Zustimmung hat die Heiligsprechungskongregation nun eine sorgfältige Stellungnahme (positio) über die Kanonisation und die Erteilung des Titels einer Lehrerin der Universalkirche vorbereitet. Da es im Falle Hildegards von Bingen um eine sehr angesehene Meisterin der Theologie geht, haben wir erlaubt, dass Nr. LXXIII der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus [die Zustimmung der Glaubenskongregation] außer Acht gelassen werden darf. Dasselbe betrifft das Wunder, das zu einer Heiligsprechung erforderlich ist. Denn der Ruf der Wunder, der Hildegard bis heute umgibt, ist völlig bestätigt. Diese Causa wurde am 20. März 2012 in der Vollversammlung der Kardinäle und Bischöfe in Gegenwart unseres ehrwürdigen Bruders Angelo Kardinal Amato, des Präfekten der Heiligsprechungskongregation, überprüft und in einer Abstimmung bestätigt. Am 10. Mai 2012 hat uns unser ehrwürdiger Bruder in allen Einzelheiten über den Stand der Frage und zugleich über die Abstimmung der Väter der erwähnten Vollversammlung der Heiligsprechungskongregation, die einstimmig zustimmten, informiert.
Also verfügen wir nach reiflicher Überlegung und mit sicherer Erkenntnis über die gültige Entscheidung der Heiligenkongregation, dass die Verehrung dieser sehr würdigen Jüngerin Christi jetzt und künftig mit der ganzen Kirche geteilt wird.
So erklären wir kraft unserer apostolischen Autorität zur Ehre Gottes, zur Mehrung des Glaubens und zum Wachstum des christlichen Lebens, dass Hildegard von Bingen, Nonne des Ordens des heiligen Benedikt, heilig ist, in den Katalog der Heiligen eingetragen wird und mit frommer Andacht verehrt und unter den Heiligen der Universalkirche angerufen werden kann.
Mit Sicherheit wissen wir, dass unsere Überlegung zur nunmehr geltenden Kanonisation dieser Frau, die mit heiligem Leben und theologischem Wissen ausgezeichnet ist, in der Kirche geistliche Früchte bringen wird. Denn Hildegard gab sich ganz der Sache Gottes hin, die sie sich mit Treue und Beständigkeit innigst zu eigen machte, und bezeugte täglich, dass Gott und dass Gottes Reich den ersten Platz einnahm. Aus ihrer Verbundenheit mit Christus floss wie aus einer Quelle ihre geistige Fruchtbarkeit, die ihre Zeit erleuchtete und sie zu einem unvergänglichen Vorbild der Wahrheitssuche und des Dialogs mit der Welt machte. Die Frauen können in ihr ein mächtig leuchtendes, ganz erfülltes Lebensbeispiel entdecken: In der Nachahmung der Jungfrau Maria war Hildegard der vorzüglichsten Eigenschaften der Frauen teilhaftig: Sie bezeugte Tapferkeit, Milde, Stärke und Ausgeglichenheit, Heiterkeit der Seele und mütterliche Fürsorge und bemühte sich auf eine außergewöhnliche Weise um das kirchliche Leben des Leibes Christi. In Anbetracht ihres Einsatzes und ihres geistlichen Charismas verstehen wir besser und tiefer die treffende Einsicht unseres Vorgängers, des seligen Johannes Paul II., der in seinem apostolischen Schreiben Mulieris dignitatis vom 15. August 1987 von den „weiblichen Charismen“ und deren vielfältigen Formen sprach.
Schließlich wollen wir, dass diese unsere Entscheidung fest, unveränderlich und unwiderruflich sei, und wir wünschen, dass sowohl die Hirten der Kirche als auch die Gläubigen sie freudig und dankbar aufnehmen. Mögen sie alle das Licht betrachten, das aus den Tugenden und der Weisheit der heiligen Hildegard fließt, Gott Lob singen und in der Gemeinschaft mit den heiligen Aposteln Petrus und Paulus und mit allen Bewohnern des Himmels auf dem Weg der Heiligkeit mit Eifer voranschreiten.
Rom bei St. Peter, am 10. Mai des 2012. Jahres des Herrn, im achten Jahr meines Pontifikats.
Litterae decretales de peracta Canonizatione aequipollente Hildegardis Bingensis.
 
http://www.abtei-st-hildegard.de/?p=2908

Die Kirche als Ort gelebter Spiritualität in der Schau der hl. Hildegard 

Sr. Hiltrud Gutjahr OSB, Benediktinerin in der Abtei St. Hildegard Rüdesheim /Eibingen

O blitzendes Licht der Sterne (der Menschen ),
O wunderschöne, auserwählte Königsbraut,
O funkelnde Gemme!
Du bist geschmückt wie jene hohe Frau,
die weder Makel hat noch Fehl.
Den Engeln bist du zugesellt
und wohnest bei den Heiligen.
O fliehe die Höhle des Verderbers
und komm, ja komm in den Königspalast!

Die hl. Hildegard besingt in dieser Antiphon zur Weihe einer Kirche, eines Kirchenbaues, die Kirche als ein blitzendes Licht für die Menschen, als eine funkelnde Gemme, als funkelnder Edelstein, da Jesus Christus in ihr lebt. Sie ist geschmückt wie jene hohe Frau, die weder Makel noch Fehl hat, d.h. wie die Muttergottes. Heute nimmt die Kirche eine eigenartig ambivalente Stellung in den Vorstellungen und Erwartungen der Menschen ein. Immer mehr Getaufte verabschieden sich von der Kirche, weil sie nicht mehr wissen und verstehen, was die Kirche ist.

Welches Kirchenbild vermittelt uns die hl. Hildegard in ihren Visionsschriften?

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Person dieser Seherin aus dem 12. Jahrhundert.

Hildegard lebte von 1098 bis 1179 im Rheinhessischen als zehntes und letztes Kind des Hildebert von Bermersheim und seiner Frau Mechthild. Von Kindheit an schaute sie Licht, empfing sie geheimnisvolle, mit Licht erfüllte Visionen. Als kleines Mädchen war Hildegard einer jungen adligen Frau, Jutta von Sponheim, zur geistlichen Erziehung übergeben worden. Seit dem 14. Lebensjahr führte sie unter Juttas Leitung zusammen mit anderen Frauen ein gottgeweihtes klösterliches Leben auf dem Disibodenberg, in der Nachbarschaft des benediktinischen Mönchskonventes. Nach Juttas Tod, im Jahre 1136, wählten die Nonnen Hildegard zu ihrer „Magistra“, damit übernahm sie die Verantwortung für die Frauengemeinschaft.
In ihrem 43. Lebensjahr im Jahre 1141 erhielt Hildegard eine wundersame Schau, von der sie am Anfang  des Buches Scivias berichtet in ihrem „Zeugnis über die echten Visionen, die von Gott ausströmen.“
Ein feuriges Licht hatte ihr ganzes Wesen erfüllt und sie beauftragt, ihre Visionen zu veröffentlichen. Zugleich gewann sie die Einsicht in die Schriftauslegung, als das Verständnis der Heiligen Schrift, des Alten und des Neuen Testamentes. Damit erhielt Hildegard die Berufung, gleich den Propheten, den Menschen die Worte Gottes zu verkünden. Diese Sendung zu erfüllen, kostete Hildegard viel Kampf. Sie wurde zuerst von einer großen Angst ergriffen, weil sie sich scheute als Frau in einer von männlichen Gelehrten geprägten Gesellschaft mit ihrer prophetischen Botschaft aufzutreten. Schließlich erlangte sie auf der Trierer Synode 1147 /48 vom Papst Eugen III. und den anwesenden Bischöfen die Bestätigung ihrer visionären Gabe. Zehn Jahre lang arbeitete Hildegard an ihrem Erstlingswerk Scivias – Wisse die Wege Gottes zum Menschen und des Menschen zu Gott. ( von 1141 bis 1151 ) Darin finden wir Aussagen Gottes über die Kirche.
Dem Scivias folgen noch zwei Werke ähnlicher Art, Liber Vitae Meritorum, das Buch der Lebensverdienste, 1158 – 1163, und Liber Divinorum Operum, das Buch der göttlichen Werke, 1163 – 1170. Diese Visionstriologie fügt sich mit dem Briefwechsel und den Liederkompositionen zu Hildegards theologischem Schrifttum zusammen.
Das Werk, das unmittelbar nach Scivias entstand, Liber Subtilitatum Diversarum Naturarum Creaturarum, die Feinheiten der verschiedenen Naturen der Geschöpfe, ist in seiner ursprünglichen Form nicht erhalten geblieben, sondern in zwei Schriften überliefert worden, genannt Causae et Curae und Physica, die als die Naturheilkunde Hildegards bekannt sind.
Ihre prophetische Sendung nahm Hildegard über ihre schriftstellerische  Tätigkeit „künde und schreibe“ hinaus auch auf andere Weise wahr. Zur Gründung eines neuen Klosters auf dem Rupertsberg bei Bingen wurde sie durch eine Vision veranlasst. Trotz des Widerstandes der Disibodener  Mönche zog sie um 1150 mit ihren Nonnen zum neuen Ort an der Nahemündung bei Bingen. Gedrängt von Gottes Geist unternahm sie vom Rupertsberg aus vier  Predigtreisen in berühmte Städte wie z.B. nach Mainz, Würzburg, Bamberg, Trier, Metz und Köln. Im Jahre 1165 gründete sie ein zweites Kloster in Eibingen bei Rüdesheim auf dem anderen Rheinufer.
Hildegard stand vielen Menschen in verschiedenen Anliegen mit ihrem Rat bei. Ihre Briefe  und ihre Lebensbeschreibung  bezeugen,  dass man sich sowohl mit  theologischen Fragen als auch mit der Bitte um Krankenheilungen an Hildegard wenden konnte. Sie wich Auseinandersetzungen nicht aus. Noch in ihrem letzten Lebensjahr geriet sie in einen Konflikt mit der Mainzer Bischofs – Verwaltung, weil sie einen exkommunizierten , aber vor seinem Tod mit der Kirche ausgesöhnten Adeligen auf ihrem Klosterfriedhof     hatte beisetzen lassen. Hildegard ging am 17. September 1179 im Kloster Rupertsberg heim in das Lebendige Licht.

Mystische Visionen in Worte auszudrücken, die die unsichtbare göttliche Wirklichkeit beinhaltet,  ist nicht einfach darzustellen. So muss die Sprache Bilder zu Hilfe nehmen, sie aber zugleich deuten. Die Bildersprache ist das gemeinsame Merkmal der Heiligen Schrift und der Visionen Hildegards. Die Visionen sind immer gleich aufgebaut. Hildegard beschreibt, was sie sieht, und sie hört eine Stimme vom Himmel, die ihr die Bilder allegorisch auslegt. Die oft fremd anmutenden Visionsbilder beziehen sich oft auf biblische Inhalte.

Welches Kirchenbild vermittelt uns die hl. Hildegard in ihren Visionsschriften, vor allem im Buch Scivias  ? Und inwiefern ist die Kirche ein Ort gelebter Spiritualität  ?

Ziel des Menschen ist das volle heile Leben im dreifaltigen Gott. Der Mensch ist geschaffen und berufen, am Leben Gottes teilzuhaben in den Freuden der ewigen Schau. Die irdische Existenz  ist Mitwirken am Reich Gottes, Vorbereitung und Einübung in das wahre Leben mit dem Sohn Gottes, bis wir die volle Erlösung empfangen dürfen im Himmel. „Gott gedachte barmherzig seines großen Werkes und seiner kostbaren Perle, nämlich des Menschen, den er aus dem Lehm der Erde gebildet und den Lebensodem eingehaucht hatte.“ (WW S. 110) Deshalb zog der Sohn Gottes das Gewand des Menschen an, um den Menschen zu retten und heimzuholen. Die Heimholung des Menschen geschieht durch die Kirche.


1.    Der Ursprung der Kirche aus der Seitenwunde Jesu
...
2.    Der Auftrag der Kirche als Raum gelebter Spiritualität
...                              

Die Kirche hat den Auftrag, die Menschen in der Taufe für den dreifaltigen Gott zu empfangen und zu gebären und sie anzuleiten, in dieser neuen Wirklichkeit Gottes zu leben durch Unterweisung und Gebet. Jeder Gläubige ist in eine persönliche Gottesbeziehung gerufen, die er als Glied der Kirche leben soll. Die Lebendigkeit der Kirche hängt von der gelebten Gottesbeziehung des einzelnen Gläubigen ab. Das Sakrament der hl. Taufe ist die Basis und Voraussetzung für die gelebte Beziehung zum dreifaltigen Gott. Ich lebe meine Taufe in der Gemeinschaft der Kirche.
Die Kirche ist so das Sakrament der Liebe Gottes, das Zeichen und der Raum der heilenden Liebe Christi, der Barmherzigkeit und Zärtlichkeit Gottes.

Sr. Hiltrud Gutjahr, OSB, seit 1969 Benediktinerin der Abtei St. Hildegard. Seit 2002 macht sie Menschen am Schrein der hl. Hildegard in der Wallfahrtskirche Rüdesheim-Eibingen mit dem Leben und Werk der hl. Hildegard bekannt und übernimmt mit Freude seelsorgerische Dienste.


„Was bedeutet Ihnen Ihre Namenspatronin?“

Hildegard Kemper, Münster

In der letzten Zeit wurde ich vielfach konfrontiert mit der Frage: „Was verbindet Sie, was beeindruckt Sie an der heiligen Hildegard?
Es sind hauptsächlich drei wesentliche Merkmale, die mich unheimlich in ihren Bann zogen und die ich immer wieder bei allen Plänen und Überlegungen heute noch einbeziehe, nämlich:
Was würde Hildegard jetzt an meiner Stelle tun, was würde sie mir sagen?

Als junges Mädchen machte sich mein Vater mit mir auf nach Eibingen/Rüdesheim, um mich mit meiner Namenspatronin bekannt zu machen. Wir kamen in die Abtei St. Hildegard und sahen hinten in der Kirche unter Glas den Schädel der Heiligen. Mich hat es sehr beeindruckt und so kaufte ich mir gleich das Buch „Das Lebendige Licht“ von Hünermann. Ich wollte mehr erfahren von St. Hildegard. Je mehr ich las, umso größer wurde mein Hunger nach mehr Lektüre....


Erfahrungsberichte

Odermennig – Reinigung der Schleimhäute ...
Insektenstiche und Wegerich ...
Lockerung der Zähne – Tausendgüldenkraut ...

Almhof Lässer, Balderschwang/Allgäu mit besonderem Hildegard-Angebot


Wir wollen es nicht versäumen, unsere Hildegard-Freunde auf ein ungewöhnliches Angebot aufmerksam zu machen. Im Juni besuchten wir den Almhof in Balderschwang und lernten mit Familie Eckart und Anke Lässer Menschen kennen, die uns sofort sympathisch waren, und die in ihrem Hotel mit Mut und Gottvertrauen neue Wege beschreiten.
Sie verwöhnen in ihrem bekannten, gut geführten Hotel die Gäste selbstverständlich mit der behaglichen Wärme des Almhofs, damit sie sich in frischer Bergluft abseits von Hektik, Lärm und Staub des Alltags erholen. Aber dabei bleiben sie nicht stehen. Sie wollen ihren Gästen auch spirituelle Nahrung anbieten, weil nicht nur der Körper hungrig ist, sondern auch die Seele oft spirituell ausgehungert ist.
Dazu sollen die wunderbaren Botschaften der Heiligen Hildegard von Bingen in diesem Haus eine Heimat finden. Bereits im Eingangsbereich empfingen uns sehr freundliche Menschen, und unser Blick fiel sofort auf das Regal mit vielen Hildegard-Produkten und Hildegard-Literatur, und die Gastronomie ist ganz auf Hildegard-Ernährung ausgerichtet. Im neuen hellen, geräumigen Seminarraum werden ab diesem Herbst erstmalig Hildegard-Wochen angeboten,  zum Teil mit sanftem Fasten mit Frau Dr. Karlinger, zum Teil mit Themen zur ganzheitlichen Heilung und Wege zur Stressbewältigung. Durch geistige Impulse, Meditationen und Besinnung, Gespräche und Entspannungsübungen, Sauna und Massagen, und nicht zuletzt durch Wanderungen in der würzigen Bergluft finden die Menschen zur dringend benötigten Ruhe.
Dieses im wahrsten Sinne ganzheitliche Angebot kann zu einem Geheimtipp werden. Wir hoffen, dass viele Menschen den Weg nach Balderschwang finden.
Weitere Informationen finden Sie in diesem Heft und in unserer homepage, www.hildegard-gesellschaft.org, unter Termine.

Hildegard Strickerschmidt

Quitten-Torte

Von Pia Gribi, CH-Oberrohrdorf, Diätköchin, Ernährungsberatung nach Hildegard von Bingen

120g    Butter
120g    Vollrohrzucker
1    Ei
½     Zitronenschale abgerieben
2 Pr.    Salz
1 TL    Energiegewürzmischung
200g    Mandeln gemahlen
220g    Dinkelruchmehl
600g    Quittenpüree leicht gesüsst
100g    Sauerrahm
wenig    Kaffeerahm
oder
1    Ei

Von der Butter bis zur Energiegewürzmischung alles zusammen mit einem Mixer schaumig rühren. Die Mandeln und das Dinkelmehl beigeben, rasch zu einem Teig zusammenfügen. 2/3 des Teiges auf einem Backblech (ca. 30x30cm) ausstreichen. Das Quittenpüree mit dem Sauerrahm vermischen und auf dem Teig verstreichen. Unter den restlichen Teig 1 EL Dinkelmehl mischen. Den Teig auswallen und verschiedene Formen ausstechen oder Teigstreifen schneiden. Diese schön über die Torte legen. Die Garnitur mit wenig Kaffeerahm oder Ei bestreichen.
Backen
Ca. 50 Min. in der Mitte des auf 180°C vorgeheizten Ofens.
Tipp
Die Quittentorte kann auch in einer 22 cm Durchmesser grossen Tortenform gebacken werden.