hildegard Internationale Gesellschaft Hildegard von Bingen
Hildegard-Zeitschrift
Über uns
Hildegard
Vision - der Film
Termine
Zeitschrift
Unsere Zeitschrift
Dezember 2018
September 2018
Juni 2018
März 2018
Dezember 2017
September 2017
Juni 2017
März 2017
Dezember 2016
September 2016
Juni 2016
März 2016
Dezember 2015
September 2015
März 2015
Dezember 2014
September 2014
Juni 2014
März 2014
Dezember 2013
September 2013
Juni 2013
März 2013
Dezember 2012
September 2012
Juni 2012
April 2012
Dezember 2011
September 2011
Juni 2011
März 2011
Dezember 2010
September 2010
Juni 2010
März 2010
Dezember 2009
September 2009
Juni 2009
März 2009
Dezember 2008
September 2008
Juni 2008
März 2008
Dezember 2007
September 2007
Juni 2007
März 2007
Dezember 2006
Oktober 2006
Juni 2006
März 2006
Dezember 2005
September 2005
Juni 2005
März 2005
Dezember 2004
September 2004
Juni 2004
März 2004
Dezember 2003
September 2003
Juni 2003
März 2003
Juni 2002
Nr. 77-80
Bücher
Links
Impressum

Zeitschrift Nr. 120, April 2012

In der Nummer 120 unserer Zeitschrift finden sich folgende Themen:

Ausgabe 120


Vorwort

Liebe Mitglieder, liebe Interessierte, 

die Äußerungen eines römischen Vatikan-Journalisten, Papst Benedikt XVI. plane, die Hl. Hildegard in diesem Jahr zur Kirchenlehrerin zu erheben, hat bei vielen Hildegard-Begeisterten große Freude auslöst. Noch steht eine offizielle Bestätigung aus, doch ist das öffentliche Interesse dadurch schon stärker auf die Äbtissin von Bingen und Eibingen gerichtet. Ganz offensichtlich hat diese großartige Frau, die als Posaune Gottes verehrt wird, zeitlos aktuelle Weisheiten vermittelt, welche auch heute noch gültig sind. Man kann auch sagen, Hildegards Werke sind somit eine gute Botschaft für das Leben – ganz in der Tradition des Evangeliums, was übersetzt ebenfalls „gute Botschaft“ bedeutet.

Als praktisches Beispiel dazu sei für die vorösterliche Zeit das Fasten genannt. Die Hl. Hildegard beschreibt den Wert des Fastens für den Körper und die Seele und warnt gleichzeitig vor Übertreibungen. Beides erscheint uns menschenfreundlich, da ihre Anweisungen zur Gesundheit führen und vor Überforderungen bewahren wollen. Beim Fasten denken die meisten an Speisen und Genussmittel. Kann es heute zudem sinnvoll sein, auch andere Bereiche zu reduzieren oder darauf zu verzichten wie z. B. allzu vieles Internet- Surfen, SMS- Senden, oder auch stundenlanges Lesen – gerade dann, wenn dies nicht eine echte Bereicherung bedeutet ?

Ein behutsames Fasten im Verzicht auf Überflüssiges kann uns wieder ein Stück weit näher zu uns selbst bringen und eine neue innere Ruhe und Unabhängigkeit verschaffen.

Dass Ihnen und uns das gelingen möge, wünsche ich allen sehr.

Dem Ziel, der umfassenden Gesundheit näher zu kommen, will auch unsere Jahrestagung in Heiligkreuztal vom 7.-9. Juni 2012 dienen mit dem Thema „Heil und Heilung mit einem Heilungs-Gottesdienst“ mit Pater Marsch, zu der ich alle Interessierten herzlich einlade.

„Heil“ und „ganz“ zu sein, können wir dabei neu als Gabe verstehen, welche nicht nur durch ein Rezept zu verordnen ist, sondern letztlich immer ein Geschenk bleibt.

Allen wünsche ich auch im Namen unseres Vorstandes eine gute Fastenzeit und dann ein fröhliches Halleluja zu Ostern

Ihr / euer Michael Ptok
Präsident der Internationalen Gesellschaft Hildegard von Bingen


Predigt zum Hildegardisfest der kath. Pfarrgemeinde St. Hildegard und St. Rupertus, Bingen-Bingerbrück am 18. September 2011

Dr. Wolfgang Schuhmacher, Pfarrer, Kirchstraße 5, 55424 Münster-Sarmsheim

„Hänschen will alles haben“ wer von uns kennt diesen Spruch nicht. Oder: darf es vielleicht noch etwas mehr sein?

Kennen Sie etwa nicht die Situation, dass sie sich nicht entscheiden können, was sie nun gerade kaufen wollen, das grüne oder das rote Kleid, das gestreifte oder das karierte Hemd. Beides gefällt uns.

Viel schwerer noch fallen uns Entscheidungen, wenn es um wichtige Fragen unseres Lebens geht: Welchen Beruf erlerne ich? Kann ich mich auf diesen Menschen für mein ganzes Leben einlassen? Aber was verpasse ich da nicht alles?

Mit der Zeit müssen wir in unserem Leben feststellen: Ich will zwar, aber ich kann nicht alles haben. Es gibt an vielen Stellen in meinem Leben Grenzen. ...

Ich glaube, die Erfahrung, dass ich in meinen Leben nicht alles haben und werden kann, ist eine der wesentlichen Lernerfahrungen für uns Menschen.

Vielleicht ist deshalb auch das Alter so um Mitte vierzig und noch darüber hinaus für viele von uns so schwierig. Hier erfahren wir uns oft in vielen Dingen unseres Lebens als festgelegt. In diesem Alter bekommen wir so langsam in den Blick, dass unser irdischer Lebensweg nicht ewig dauert. Und wir stellen uns vielleicht bewusster als in jungen Jahren die Frage nach dem Sinn unseres Lebens. Wir fragen uns nun verstärkt, was ist wirklich wichtig. Und wenn sich dann auch noch ernsthafte Krisen in unserem Leben einstellen wie z.B. eine schwere Erkrankung oder, dass ein lieber Mensch aus unserer Nähe stirbt, dann werden wir vor die Frage nach dem Sinn unsere Lebens und vor die Frage nach dem, was wirklich wichtig ist geradezu hingestoßen und können ihr nicht mehr ausweichen. Für viele Menschen stellt sich an dieser Stelle ihres Leben dann plötzlich auch wieder die Frage nach und dem Wohin.

 Liebe Schwestern und Brüder,

hat mein Leben einen Sinn? Weiß ich, wofür ich lebe, arbeite, leide? Kein Mensch, der einmal erwacht ist, kommt an dieser Frage vorbei.

Wir haben bei uns hier auf dem Rupertsberg das große Glück, dass wir mit diesen Fragen nicht zu warten brauchen, bis wir in eine persönliche Krise geraten. Dafür sorgt schon unsere Pfarrpatronin, die heilige Hildegard. Als Prophetin hat sie nicht nur den Menschen ihrer Zeit kritische Fragen gestellt und ihnen den Spiegel vorgehalten. Sie spricht auch heute noch zu uns. Nur ist die Frage: Wollen wir sie hören, diese Frau, die hier auf dem Rupertsberg gelebt hat. ...

Hildegard sagt: „Alles, was die Menschen, in denen keinerlei Leben und nur Dürre und Trockenheit ist, tun, richten sie auf ihre Begehrlichkeit und Lüsternheit aus, wobei sie in ihrem Herzen und mit ihren Zungen sprechen, wer wohl jener Gott sei und was er könne, und welche Macht er wohl habe, den man doch nie zu sehen bekomme und der immer im Verborgenen weile.“… „Ihnen antwortet Gott, indem er sie fragt, ob sie ihn denn nie in der Erleuchtung des Gewissens wie beim Leuchten der irdischen Sonne und in der Traurigkeit des Herzens wie im Dunkel der Nacht gefühlt hätten? Ob sie ihn denn nie erfahren hätte auf den Wegen der Gerechtigkeit? Oder ob sie ihn nie geschaut hätten, wenn der Same in die Erde fiel und mit Tau und Regen getränkt wurde, um auf diese Weise zum Wachstum zu kommen? Und ob das alles durch einen anderen geschehen könnte als durch den Schöpfer aller Dinge?“

Der Mensch, der alles haben will, der nur seine eigenen Interessen verfolgt und nur seine eigenen Gedanken im Kopf hat, ist vielleicht blind und taub für die Zeichen von Gottes Gegenwart in unserem Leben. Und vielleicht brauchen wir so etwas wie eine Midlife-crisis, um zu verstehen, dass nichts in unserem irdischen Leben ewig ist und wir von allem wieder Abschied nehmen müssen. Zu Beginn des Herbstes sind wir offen für diese Frage. ...

Hildegard will unseren Blick auf das Wesentliche in unserem Leben lenken. Sie stellt hier an uns die Frage nach dem, was bleibt und sie lenkt unseren Blick gleichzeitig auf die Einmaligkeit unseres Lebens und der Zeit, die uns geschenkt ist.

Hildegard richtet sich an uns hier in einer ähnlichen Weise wie der Prophet Jesaja, wenn er uns heute in der Lesung zuruft: „Sucht den Herrn solange er sich finden lässt, ruft ihn an solange er nahe ist.“

Hildegard und Jesaja haben ihren Lebenssinn in Gott gefunden. Beide haben sie sich trotz allen Zögerns für den Weg als Prophet und Prophetin entschieden als Gottes Ruf an sie erging.

Auch Jesaja spricht nicht aus sich selbst heraus, sondern im Auftrag Gottes, wenn er sagt: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Gedanken sind nicht meine Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des Herrn.“ Jesaja und Hildegard wollen uns auf Gottes Weg für und mit uns aufmerksam machen. Deshalb sind sie so hartnäckig. Sie wollen das, was in unserem Leben schädlich ist, aufdecken. Und eben auf diese Weise bringen sie uns zugleich Gottes Liebe nahe.



Selbstherstellung von Hildegard-Heilmitteln

Emmi Erni -Vogler , CH Oberrohrdorf

Während der Tagung des `Medizinischen Arbeitskreises` 2009 in Immenstaad berichtete Emmi Erni über ihre Erfahrungen mit dem Herstellen von hildegardischen Heilmitteln auf privater Basis. Nachfolgend lesen Sie einen Auszug aus dem Vortrag „Ernten, Trocknen und Verarbeiten von Heilpflanzen“ über Veilchen und Akelei nach Hildegard...
 

O viridissima virga

O allergrünster Zweig, sei gegrüsst,

der du im windigen Wehen des Suchens

der Heiligen hervorgesprossen bist.

Als die Zeit gekommen war,

da du erblühtest in deinen Zweigen,

vielfacher Gruss galt dir,

weil die Sonnenglut in dir ausschwitzte

wie der Duft des Balsams.

 
Denn in dir blühte eine liebliche Blume,

die Duft verlieh allen Gewürzpflanzen,

die trocken gewesen waren.

 
Und jene sprossen hervor allesamt

in sattem Grün.

 
Dann spendeten die Himmel den Tau

auf dem Grase,

und die ganze Erde wurde beglückt,

weil ihr eigener Schoss Korn hervorbrachte

und weil die Vögel des Himmels

Nester auf ihr bauten.

Alsdann wurde den Menschen Speise zuteil

und die grosse Freude der Schmausenden.

Von nun an, du liebliche Jungfrau,

mangelt es in dir an keiner Wonne.

All dies schätzte Eva gering.

Doch nun sei Preis dem Allerhöchsten.

Die in der September-Zeitschrift Nr. 118 veröffentlichten Hinweise, die Hildegard in ihrem Werk Causae et Curae zum Sammeln und Weiterverarbeiten der Blumen und Kräuter gibt, gelten auch für die folgenden Zeilen.                               

Veilchen Viola adorata, wohlriechendes Veilchen

Von März-April blühen und leuchten die ca.5-12 cm grossen Veilchen mit ihren violett-blauen Blütenköpfchen.

Hildegard schreibt:„Das Veilchen ist zwischen warm und kalt. Aber es ... wächst von der Luft, nämlich wenn die Luft nach dem Winter zuerst beginnt warm zu werden. …“ HvB Physica Kap 1-103

Bei Kälte und bedecktem Himmel nimmt man den feinen, intensiven Duft dieser kleinen Blümchen kaum wahr, erst die Sonne vermag ihn hervor zu locken. Bei schönem, trockenem Wetter, wenn möglich am Morgen, ist die beste Pflückzeit. So müssen diese zierlichen Pflanzen nicht gewaschen werden und die ätherischen Öle bleiben gut erhalten. Geerntet und verwendet werden die Veilchenblüten und deren grüne, herzförmige Blätter.

Die Veilchen lieben den Standort in moosigen Wiesen, unter grösseren Gräsern versteckt, aber auch unter Bäumen und Sträuchern am Waldrand, oft im Halbschatten oder mit ähnlichen Bedingungen im eigenen Garten.

 Veilchen in Olivenöl: Gegen die Verdunkelung der Augen

„Nimm daher gutes Olivenöl und bring es entweder an der Sonne oder am Feuer in einem neuen Topf zum Sieden, und wenn es so siedet wirf Veilchen hinein, damit es davon dick wird, und fülle es so in ein gläsernes Gefäss und bewahre es auf. Und abends salbe mit diesem Öl um die Augenlider und deine Augen, jedoch so, dass es die Augen innwendig nicht berührt, und es wird die Verdunkelung der Augen vertreibt.“

HvB, Physica Kap 1-103...

Veilchensalbe

Hildegards zweite Rezeptur ist die Veilchensalbe. Sie beschreibt in der Physica zwei Varianten:

1.Salbe:„…Auch ein Mensch, der Schwere im Kopf hat oder in den Nieren, oder irgendwo von Lähmungen geplagt wird, der presse Veilchensaft durch ein Tuch und er gebe genügend Bockstalg hinzu und zum halben Teil des Talgs altes Fett. Und dies zerlasse er gleichzeitig in einer Schüssel und mache so eine Salbe und damit salbe er sich am Kopf und anderswo, wo es schmerzt, und es wird ihm besser gehen...

2. Salbe: „…und wenn jemand Kopfweh hat, oder wessen Fleisch die Krebse fressen, oder wenn er irgendwelche Geschwüre in seinem Körper hat, dann nehme er Veilchensaft und zum dritten Teil dieses Saftes Olivenöl, und gemäss der Menge des Veilchensaftes Bockstalg, und dies bringe er gleichzeitig in einem neuen Topf zum Sieden und bereite eine Salbe. Und wer Kopfweh hat, der salbe mit dieser Salbe die Stirne in der Quere, und es wird ihm besser gehen. Aber auch wo der Krebs und andere Würmer einen Menschen zerfressen, soll darüber gesalbt werden, und sie werden sterben, wenn sie davon gekostet haben. …“ Physica Kap 1-103

Anwendung Salbe 1 nach Hildegard gegen: Kopfschmerzen, Nierenschwäche und Nierenschmerzen und Lähmungen. (Physica 1, 103)

Bewährt hat sich die Salbe 2 zur Wundheilung, Narbenbehandlung, Einreibung als Unterstützung der Lymphe rund um die Ohren und zur Ausheilung von Tumoren nach OP’s. Frauen können diese Salbe prophylaktisch für die Brustdrüse nutzen, gerade auch dann wenn, es in der Familie zu Brusttumoren gekommen ist...


Artikel II: Hildegard von Bingen - Religiöse Heilkunde und heilsame Religion  

HP Jutta Prinz, Bonn

Stellen Sie sich vor, wir würden eine Umfrage zum Thema „Warum werden Menschen krank?“ durchführen – was wären wohl die Antworten? Wahrscheinlich fielen den meisten Befragten vieldiskutierte Erreger von Bakterien bis hin zu Viren ein. Auch die heilige Hildegard widmete sich unserer Frage in ihrem Buch „Causae et curae“, Ursachen und Behandlung von Krankheiten.

Causae et curae – eine religiöse Heilkunde

Obwohl Hildegard schon vor 860 Jahren von „allerkleinsten Würmchen“ spricht (CC, Schipperges S. 240) -wir würden sagen von „Viren“- sind solche Erreger für sie bestenfalls der Auslöser, keineswegs jedoch eine echte Ursache für Krankheit. Die Äbtissin setzt in ihrem Ursachenbuch völlig anders an, sie beginnt nämlich mit dem Schöpfungsbericht.

Ausgehend von der Schöpfung der Welt, über den Aufbau des Kosmos mit seinen Elementen kreist Hildegard das Thema „Mensch“ ein. Erst müssen die Koordinaten abgesteckt werden, in denen sich der Mensch als Teil der Schöpfung bewegt, dann nur hat die Frage nach dem gesunden bzw. kranken Körper einen Sinn.

Will man mit Hildegard verstehen, was Krankheit ist, muss man also vorab den Ursprungszustand der Schöpfung und des Menschen in den Blick nehmen. Im Paradies herrscht göttliche Ordnung, die Elemente sind im rechten Maß und der Mensch ist mit Schöpfer und Schöpfung im Einklang. Alles grünt und blüht, pulsiert mit 100% Viriditas (Lebensenergie, „Grünkraft“). Für Krankheit, einen Zustand der Dürre (ariditas), ist hier kein Platz.

Aber woher kommt denn nun der uns allen vertraute Zustand von Leere, Krankheit und Schmerz? Hier wird Hildegard ganz konkret: „Als Adam das Gute erkannte und durch den Genuss des Apfels doch das Böse tat, da erhob sich im Wechsel dieser Umwandlung in seinem Organismus die Schwarzgalle (…). Traurigkeit und Verzweiflung aber wachsen erst aus dieser Melancholie, die Adam bei seiner Übertretung empfand.“ (CC, Schi. S. 220). Und anders gewendet heißt das für die paradiesische Situation: „Bevor Adam das göttliche Gebot übertreten hatte, leuchtete das, was jetzt als Galle im Organismus existiert, in ihm wie ein Kristall und hatte den Geschmack der guten Werke in sich. (…) Und so haben sich die Menschen vom ersten Elternpaare her die Traurigkeit und den Zorn sowie sonstige schädliche Affekte zugezogen.“ (CC Schi, S. 222). …

Im Sündenfall also liegt die Ursache für Krankheit und zwar nicht für unser individuelles Rheuma oder unseren konkreten Diabetes, sondern dafür, dass Menschen überhaupt krank werden. „wäre Adam nämlich im Paradiese geblieben, so würde er die erfreulichste Gesundheit an optimaler Stätte behalten haben(…)“, (CC Schi, S. 95).

Seitdem der Mensch aus freiem Willen zu seinem Schöpfer und dessen Schöpfung auf Distanz gegangen ist, sind das Gefühl von Mangel und die Sehnsucht, wieder ins Reine zu kommen, Teil der menschlichen Existenz. Die Schwarzgalle (griechisch „Melanche“, vgl. auch Verbitterung und Melancholie) ist jedem von uns in die Wiege gelegt, ohne dass wir persönlich irgendetwas falsch gemacht hätten und es ist genau diese Schwarzgalle, die Hildegard zufolge jede schwere Krankheit verursacht! (vgl. CC Schulz, S. 66).

Nun lässt uns Hildegard mit dieser frustrierenden Erkenntnis nicht allein, sondern verfasst mehrere Schriften, die alle darauf abzielen, uns gesünder und heil werden zu lassen. (Dazu unten mehr)...

Heilsames im theologischen Werk – ein Ausblick

Aus Sicht Hildegards sind Leib und Seele des Menschen untrennbar – eine Erkenntnis, um die wir heute unter dem Stichwort „Psychosomatik“ ringen. Im Medizinbuch beschreibt die Äbtissin den engen Zusammenhang so: „An keiner Stelle ist der Körper ohne Seele, weil sie mit ihrer Eigenwärme den ganzen Körper erfüllt.“ (CC Schulz, S. 104.) Und sie fährt weiter unten fort: „Die Seele gleicht einem Feuer, der Körper aber dem Wasser, und beide bestehen gemeinsam. So ist der Mensch ein Werk Gottes. Jegliche Leistung, die der Körper verlangt, schafft die Seele in ihm (…)“. ( CC Schulz, S. 105) Auf die Situation des modernen Menschen übertragen könnte man so formulieren: Wer seinen Alltag lebt, ohne dabei auf seine innere Stimme und sein Befinden zu achten, wer also seine Psyche abspaltet, läuft Gefahr, krank zu werden. Ein mechanisch abgespultes Leistungs-Leben führt in einen Zustand der Leere, neudeutsch „burn-out“ genannt. Wer da angesichts schwerer Erkrankungen sagt, sie seien “nur“ seelisch bedingt, und daraufhin das Leiden des Erkrankten nicht ernst nimmt, ist von Hildegards Wissen meilenweit entfernt...


Anregungen aus dem Hildegardkreis Lindenberg

Als ich beim monatlichen Hildegardkreis eines Tages begeistert von der Zubereitung meines Esskastanien-Hackbratens berichtete, stieß ich auf großes Interesse und ständiges Nachfragen. Spontan lud ich deshalb alle Teilnehmer/innen zu mir nach Hause zum Essen ein und kochte im Februar 2011erstmalig für alle ein leckeres Menü mit dem Hackbraten, mit dem ich viel Zuspruch erhielt.

Es blieb nicht dabei: Seitdem sind wir eine Stammrunde geworden, wir treffen uns nun zweimal monatlich und genießen den gemeinsamen Mittagstisch. Mit verschiedensten Rezeptzusammenstellungen aus der Hildegardküche verköstige ich die Runde und teile die Liebe zum gutem Essen mit anderen Menschen.

Im Beisammensein entstehen immer wieder anregende Gespräche, in denen Hildegard-Erfahrungen aus allen Lebenslagen und Rezepte ausgetauscht werden. Liebe Freundschaften entwickelten sich und immer mehr Menschen außerhalb des Hildegardstammkreis stoßen mittlerweile dazu und nehmen mit Freude am gemeinschaftlichen Mittagstisch teil. Die Gesichter wechselten, aber wir sind nun oft schon 8-10 Personen.

Vielleicht können diese Zeilen auch Sie dazu anzuregen, solch ein Projekt in Ihrer Stadt zu verwirklichen, um Rezepte und Ideen umzusetzen und Erfahrungen auszutauschen und Hildegard in allen Lebensbereichen zu leben.

Birgit und der Hildegardkreis aus Lindenberg im schönen Allgäu