Vorwort
Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Interessierte der Hildegard Heil- und Heilskunde,
wie schön, dass Sie sich Zeit nehmen zum Lesen,
Blättern in dieser Zeitschrift und evtl. zum Ausprobieren der
Rezepte oder auch für Momente des Nachdenkens und
Überlegens.
Zeit ist etwas Kostbares. Nur zu häufig haben wir das
Gefühl, diese geht immer schneller voran. Zudem beklagen immer
mehr Menschen, getrieben und gehetzt zu sein. Bisweilen sind wir es
noch selber, die dieses Hamsterrad beschleunigen. Umso wichtiger sind
„Auszeiten“, mögen sie auch kurz sein.
Zwischendurch zur Ruhe kommen tut uns gut. Dafür ist der
Winter, in der die Natur im Rückzug begriffen ist, besonders
geeignet. Die längeren Phasen der Dunkelheit, der reduzierten
äußeren Reize und Aktivitäten laden ein zur
Innerlichkeit, zum Nachdenken über unser Leben, uns selbst und
über „Gott und die Welt“.
Die benediktinische Tradition von „ora et labora“
„beten und arbeiten“ meint genau dies. Mit anderen
Worten hat das der Theologieprofessor Johann Baptist Merz so
ausgedrückt: „Die kürzestes Definition von
Religion ist Unterbrechung“. Zeiten des Gebetes und der
Meditation können schöpferische Impulse bedeuten, die
wir uns selber gönnen.
Der Winter ist auch die Jahreszeit, in der wir gerne Kerzen
anzünden. Zum einen ist dies sehr stimmungsvoll und
nicht nur Kinder lieben es. Zum anderen kann es auch unseren Wunsch
nach Erhellung ausdrücken, dass Licht in unser Leben kommt.
Die Hl. Hildegard war ein Mensch, der in ganz besonderer Weise in
dieser Innerlichkeit und in diesem Licht lebte und daraus Kraft
für den Alltag schöpfte.
Mein Wunsch für Sie/ euch und uns alle ist dieses Licht, damit
wir dem Ziel, wirklich zu leben, immer näher kommen. Biblisch
ist uns sogar ein „Leben in Fülle“ (Joh.
10.10) angeboten. Mögen wir alle auf diesem Weg sein und
dafür immer wieder Erholungs- und Ruhephasen finden.
Immer wieder gilt es auch all denen Dank zu sagen, die sich an den
unterschiedlichsten Orten engagieren, sei es in Gruppen, im Vorstand,
für die Zeitschrift, bei der Erstellung von Fotos, in
persönlichen Begegnungen und an den vielen oft gar nicht
bemerkten Punkten und die dabei das Licht der Freude, der Hoffnung oder
des Trostes weitergetragen haben.
Eine licht- und segensreiche Advents- und Weihnachtszeit
wünsche ich Ihnen allen sehr und für das neue Jahr
Orientierung, Zuversicht und Lebensfreude durch die vielen Anregungen
mit der Hl. Hildegard.
Auch freue ich mich schon auf die Begegnungen mit Ihnen bei unseren
Tagungen oder über Telefonate, Briefe und Mails.
Ihr / euer Michael Ptok
Präsident der Internationalen Gesellschaft
Hildegard von Bingen
17.
September – ein besonderer Festtag
Jedes Jahr zum Namenstag
der hl. Hildegard findet eine große Feier statt. Vor der
kath. Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Hildegard und Johannes d.
Täufer in Rüdesheim- Eibingen, oberhalb der Altstadt
am Rhein direkt an den Weinbergen angrenzend, treffen viele Pilger aus
dem In- und Ausland ein, um auf dem großen Kirchplatz mit
Außenaltar das Pontifikalamt und die Reliquienandacht sowie
die anschließende Prozession mit dem Hildegardis-Schein
mitzuerleben, die durch die Straßen des Ortsteils Eibingen
führt.
Pfarrhaus und Kirche befinden sich auf dem Areal des ehemaligen zweiten
Klosters Hildegards, welches sie 1165 als verlassenes Augustinerkloster
erwarb. Ein Brand zerstörte Klostergebäude und Kirche
im Jahr 1932, so dass nach dem Wiederaufbau nicht mehr viel vom
Ursprünglichen blieb.
Am Festtag wird der mit Gold verkleidete und Edelsteinen verzierte
Hildegardis-Schrein feierlich nach draußen auf den
Außenaltar gebracht, wo dann um 10 00 Uhr das Pontifikalamt
beginnt. Der Schrein wurde zum 750. Todestag vom Limburger Bischof Aug.
Kilian und dem Maria Laacher Abt I. Herwegen gestiftet. Er
enthält die unversehrten Reliquien Hildegards:
Zunge, Herz, Haare und Gebeine.
In der Mittagszeit und nach der Reliqienprozession ist Gelegenheit, vor
den mit kleinen Türchen geöffneten Schrein zu treten.
Die Pilger warten geduldig in einer langen Reihe, um einen Moment zum
Gebet inne zu halten, sich mit Fürbitten zur Vermittlung
Gottes an Hildegard zu wenden oder
Berührungsgegenstände an den Schrein zu halten, die
sie zur Stärkung mit nach Hause nehmen.
A. Ptok
Predigt
von Weihbischof Dr. Thomas Löhr, Limburg
HILDEGARDISFEST 2011
Eibingen, 17. September
2011
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
1
" Wenn die Propheten
einbrächen durch Türen der Nacht ... "
Mit diesen Worten beginnt eines der großen Gedichte der
Literaturnobelpreisträgerin Nelly
Sachs.
1891 in Berlin geboren, flüchtete sie 1940 vor der
Judenverfolgung und lebte bis zu ihrem Tod 1970 in Stockholm. Als die
große Vertreterin der deutsch-jüdischen Lyrik nach
Auschwitz hat sie das Schicksal ihres Volkes vor Augen - und sieht
darin zugleich das Schicksal der leidenden Menschheit gespiegelt. Was
geschähe, wenn die Propheten kämen. Wenn sie
auftauchten wie der Dieb in der Nacht - unerwartet,
unangekündigt, gar nicht willkommen. Mit einer Botschaft
,,für die
längst vom Schauer Fortgezogenen ", "für die
längst im Schlaf versunkenen ", "für den
Tagelöhner der längst nicht mehr wartet am Abend".
Die Propheten biedern sich nicht an, sie brechen ein
" ... mit ihren Worten Wunden
reißend in die Felder der Gewohnheit, ein weit Entlegenes
hereinholend ... "
Da stellt die Dichterin die Frage:
"Ohr
der Menschheit du nesselverwachsenes, würdest du
hören? "
Um schließlich mit der Frage zu enden:
"Wenn die Propheten
aufständen in der Nacht der Menschheit wie Liebende, die das
Herz des Geliebten suchen, Nacht der Menschheit würdest du ein
Herz zu vergeben haben? "
Das die Welt so düster malende Gedicht
mündet in eine ganz innige Frage, denn die Propheten sind
"wie Liebende, die das Herz des
Geliebten suchen ".
Deshalb fragt die letzte Zeile nicht nach irgendeiner Antwort, nicht
nach einem Lippenbekenntnis, nicht nach Gedanke oder Tat. Die letzte
Frage im Gedicht wird für uns zur Gewissenserforschung:
"Würdest du ein Herz zu
vergeben haben?"
2
Wir feiern heute, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, das
Fest der heiligen Hildegard, die uns so lieb geworden ist. Wie die
allermeisten von uns habe auch ich eine sehr persönliche,
innige Beziehung zu ihr. Sie bedeutet mir viel, durch ihr Leben, durch
ihre Lehre, durch ihre Fürsprache bei Gott. Als
langjähriger Pfarrer von Eibingen und Rüdesheim, als
"Hüter der heiligen Reliquien" - custos sanctarum reliquiarum,
wie sich schon Pfarrer Ludwig Schneider nannte - bin ich ihr bis heute
verbunden. Sie ist uns so vertraut, dass wir gern von "unserer heiligen
Hildegard" sprechen. Doch gerade darin liegt eine tiefgründige
Spannung - wie sie immer gilt, wenn es um die Beziehung mit einem
Menschen geht. Sie ist "unsere heilige Hildegard", aber nicht unser
Eigentum. Sie gehört uns nicht so, als habe sie unsere
Wünsche zu erfüllen und unsere Vorstellungen zu
verwirklichen.
Von ihren Zeitgenossen, so wird bezeugt, wird sie die "prophetissa
teutonica" genannt: Prophetin also, und um sie von den biblischen
Propheten zu unterscheiden: deutsche Prophetin. In einem
französischen Buch heißt sie, um ihr Wirken nicht
auf eine Nationalität zu fixieren: "La prophete rhenane" - die
rheinische Prophetin. Beides drückt aus: Sie spricht im Namen
Gottes in einen bestimmten Raum und eine bestimmte Zeit hinein. Sie ist
keine Kunstfigur der Literatur, sondern Teil der Wirklichkeit. Hier bei
uns.
Was nun wäre, wenn sie als
Prophetin in unsere
Welt einbräche? Durch Türen der Nacht, in die dunklen
Abgründe unserer Epoche?
3
Hildegard als Prophetin. Nicht etwa, weil sie die Zukunft vorhersagt.
So versteht es oft die
Alltagssprache: Wahrsager und Hellseher. Auch wenn es so falsch gar
nicht ist: Hildegard sieht sehr hell; und sagt die Wahrheit
ungeschminkt! Auf ihren Predigtreisen und in ihren Briefen deckt sie in
prophetischer Kritik die Missstände ihrer Epoche auf. Dem
Papst Anastasius hält sie vor, dass er Gott verachte und das
Böse umarme, da er es schweigend in den schlechten Menschen
dulde. (Briefe 30) Nicht anders gegenüber dem Kaiser Friedrich
Barbarossa, den sie mahnt:
"rabenschwarz
ist das Verhalten jener Vorsteher, die ausgelassen und schmutzig
umherlaufen ... Daher wirf die Habsucht ab und wähle die
Enthaltsamkeit; das liebt der himmlische König sehr"
(Briefe 507). Sie tadelt die Weltleute und kritisiert die Priester. Sie
sieht das Elend der Menschen, ja der ganzen Schöpfung, die
leidet, beschmutzt wird und Trauer trägt. Ganz, ganz brennende
Themen auch unserer Gegenwart.
Wenn Hildegard einmal doch über die Zukunft spricht, dann
verkündet sie das drohende Gericht Gottes. Worte, die man
heute gern überhört und nicht ganz so laut vorliest.
4
Reichen solche Aussagen, um Hildegard Prophetin zu nennen? Sind sie
nicht eher Ausdruck einer engagierten Zeitgenossin, die mit Mut und
Leidenschaft ihre Meinung sagt? Vielleicht nur eine Stimme unter
vielen? Immerhin eine bewundernswerte!
Was kennzeichnet Propheten? Einen wichtigen Hinweis bekommen wir durch
den zweiten Patron unserer Pfarrkirche, den heiligen Johannes den
Täufer. Im Benedictus, dem Lobgesang seines Vaters Zacharias,
heißt es über ihn:
"Und du Kind wirst Prophet des
Höchsten heißen, denn du wirst dem Herrn vorangehen
und ihm den Weg bereiten." (Lk 1, 76)
Den Weg bereiten: PARARE VIAS. - Wisse die Wege: SCI VIAS. Wie nahe
liegt das beieinander. Die Wege Gottes.
Es geht nicht um die eigene Meinung, nicht um selbst erdachte
Ideen, nicht um persönliche Kritik oder Besserwisserei. Auf
Christus weist Hildegard hin - wie der Täufer mit dem im
Isenheimer Altar so übergroß gemalten Finger.
Christi Wege lehrt sie. Und dabei weiß sie: Einfacher ist ein
christliches Leben nicht. Glauben ist nicht bequem und Kirche keine
Hängematte. Wisse die Wege - das spart auch den Kreuzweg nicht
aus. Das Leiden Christi, sein Kreuzesopfer, das Blut der
Erlösung - in Hildegards Bildern und Texten hat das seinen
festen Platz.
Die falschen Propheten hingegen schmeicheln sich ein. Sie vermeiden das
Wort vom Kreuz und den Aufruf zur Umkehr. Seit jeher folgen die
Menschen ihnen lieber, denn sie stellen das eigene Leben nicht radikal
in Frage.
5
Hildegard wagt die freie Rede, weil sie nicht aus sich heraus redet.
Ihre mystischen Schriften
legen davon Zeugnis ab. In der biographischen Erinnerung der ersten
Zeilen ihres großen Werkes "Wisse die Wege - Scivias"
beschreibt sie die Vision, die sie auffordert:
"Rede also von diesen
wunderbaren Dingen, und schreibe sie, auf diese Weise belehrt, nieder
und berichte sie!“ (Scivias 15)
Das gilt auch für ihre prophetische Kritik.
,,0 Vater",
schreibt sie dem Erzbischof Philipp von Köln,
"ich sage dir in Wahrheit, dass
ich diese Worte in einer wahren Schau gesehen und gehört habe
... Wundere dich also nicht darüber, sondern erwäge
dein ganzes Leben ... " Um dann in liebevoller
Anschaulichkeit fortzufahren:
"Daher
geselle dich den Blumen und Gewürzkräutern zu, damit
das Volk sich über deinen süßen Duft freue,
weil es einen tugendhaften und tauglichen Hirten hat ... " (Briefe
52 f) Hildegard, die Posaune Gottes, tadelt aus Liebe, aus Sorge um den
Vorsteher und aus Liebe zu dem Volk.
In den mystischen Schriften finden wir Hildegards prophetische
Botschaft am tiefsten und innigsten beschrieben. Für sie
"sind Liebe und Demut
leuchtender als die anderen Tugenden". (Scivias
43)
Innerster Kern ist die Liebe, die Gott ist. Aus Liebe hat er die Welt
erschaffen. Aus Liebe entsteht der Mensch, der sich als Einzelwesen
immer neu der Umarmung der Liebe verdankt. Die Liebe ist es, die den
Menschen von Sünde und Tod erlöst und ihn zur ewigen
Gemeinschaft der Heiligen mit Gott im Himmel bestimmt.
Angefacht von der Liebe macht Hildegard sich Sorgen um ihre
Zeitgenossen. Eine solche Botschaft ist nicht harmlos, sondern hat
Konsequenzen. Sie bessert die Menschen und verändert die Welt,
mehr als alle gewaltsamen Revolutionen es je vermochten.
6
Braucht es diese prophetische Botschaft nicht auch heute? Vor wenigen
Monaten, kurz vor der Seligsprechung Papst Johannes Pauls II., hat der
römische Geschichtsprofessor Andrea Riccardi ein
großes Wort geprägt: Profezie der Liebe. Er ist
zusammen mit einigen Weggenossen der charismatische Begründer
der Gemeinschaft von Sant'Egidio, die sich, von Rom ausgehend, auf der
ganzen Welt um die Armen kümmert und die 1992 in geduldiger
Zähigkeit den Friedensvertrag zur Beendigung des
jahrzehntelangen Bürgerkriegs in Mosambique vermittelte.
Riccardi beschrieb Johannes Paul II. als den weltweiten Anwalt der
Armen mit diesem Wort:
„Prophezie
der Liebe".
Die Liebe ist für Hildegard zugleich der Inhalt ihrer
prophetischen Rede wie auch der Ursprung, aus dem sie
erwächst, und das Maß, mit dem sie sich
ständig prüfen lässt.
Müssen wir nicht ehrlich eingestehen, dass wir unserer Zeit
und unserem Land dieses
prophetische Zeichen in doppelter Weise vorenthalten? Weil wir zum
einen nicht den Mut zur
offenen Rede haben, und zum anderen nicht aus der Liebe heraus reden
und sie verkünden.
Wir haben uns als Kirche allzu bequem zurückgelehnt. Eines
Tages aber sind wir aufgewacht und haben festgestellt, dass sich die
Welt verändert hat und die Kirche alt geworden ist. Wie
"die längst im Schlaf
versunkenen" und der
"Tagelöhner
der längst nicht mehr wartet am Abend" in unserem
Gedicht zu Beginn.
Der Auftrag an die Kirche aber ist eindeutig. Das II. Vatikanische
Konzil betonte, dass das heilige Gottesvolk auch teilnimmt an dem
prophetischen Amt Christi, in der Verbreitung seines lebendigen
Zeugnisses vor allem durch ein Leben in Glaube und Liebe, in der
Darbringung des Lobesopfers an Gott als Frucht der Lippen, die seinen
Namen bekennen. Der prophetische Auftrag ist einer, der der Kirche als
ganzer gilt. In allen ihren Gliedern.
Allzu lange schon vernachlässigt sie ihn, wo sie sich mit sich
selbst beschäftigt, nur auf sich schaut, auf Ziele, die wir
uns selber ausdenken, auf Strukturen, die von Menschen gemacht sind.
Galt nicht die Aufmerksamkeit der Propheten immer gerade den Armen,
also den anderen, den Fernen wie auch den Nahen, die in Not sind?
7
Hildegard ist uns das heilige Vorbild der prophetischen Liebe
schlechthin. Die ihr
zugeschriebenen Wunder sind nichts anderes als die Gestaltwerdung und
die Veranschaulichung der Liebe. Ihr naturwissenschaftliches Forschen
und ihre medizinische Unterweisung sind Verkündigung der
anbrechenden Heilszeit. Heilung und Heil, so lehrt uns Hildegard,
gehören eng zusammen.
Die heilige Hildegard ist uns deshalb als prophetisches Vorbild und als
Fürsprecherin im Himmel so wichtig, weil ihr Herz sich der
Liebe Gottes geöffnet hat. Und weil sie, wo das Herz zum
Herzen spricht (Augustinus), auch unser Herz erreicht.
Wenn die heilige Hildegard einbräche wie die Propheten:
Würdest du ein Herz zu vergeben haben?
Amen.
Tausendgüldenkraut
und Knochenheilung
von Maria Dreiling
Vom
Tausendgüldenkraut
Das
Tausendgüldenkraut ist warm und trocken, und (R1-375) wem
Knochen und „beyn“ in seinem Körper
irgendwo gebrochen ist, der trinke Tausendgüldenkraut oder
dessen Wurzel entweder mit Wein oder mit Wasser gemischt, und der
zerbrochene Knochen wird gleichzeitig zusammengeleimt, das
heißt „wellet“. Aber dann wärme
(der Kranke) auch Tausendgüldenkraut in Wasser, und nach
Ausdrücken des Wassers, lege er oft so warm auf die Stelle, wo
der Knochen gebrochen ist, und so pflege er die Stelle damit, und er
wird geheilt werden. (R1-376) Denn wer so unter Gicht leidet, dass ihm
die Zunge beim Sprechen versagt und dass ihm sogar irgendein Glied
beiseite gestellt wird, der mische Wurzel und Blätter des
Tausendgüldenkrauts mit neuem Hirschtalg, und so mache er mit
Mehl Törtchen, das heißt
„Kucheln“, und er esse oft, und die Gicht, die ihn
plagt, wird unterdrückt. (R1-377) Aber derselbe, der an Gicht
leidet, trinke oft Tausendgüldenkraut in Wein, und die Gicht
in ihm wird
weichen.
Hildegard von Bingen: Physica – Cap. 1-125
...Tausendgüldenkraut hat einen extrem bitteren Geschmack,
wächst auf Trocken- und Halbtrockenrasen, ist an Wald- und
Feldrändern und auf Wiesen zu finden, blüht
von Juli bis September, die Blüten sind
rosa.
Im Eichsfeld, meiner Heimat, heißt die Pflanze sogar
„Milliontouznkrut“,
was für die Wertschätzung und
großartige Heilwirkung
spricht.
Beschrieben oder erwähnt haben es Dioscurides, Hildegard v.
Bingen, Albertus Magnus, Leonhart Fuchs, Hieronymus Bosch...
Kein Autor setzte
Tausendgüldenkraut bei Knochenbrüchen ein, nur
Hildegard von Bingen – das ist einmalig!
Meine Erfahrungsberichte mit Tausendgüldenkraut:
1.
Den ersten
Knochenbruch habe ich bereits vor gut 10 Jahren mit
Hinweisen aus der Physica und der Großen
Hildegardapotheke mit Erfolg begleitet. Der Sohn einer Kollegin hatte
sich das Schlüsselbein gebrochen und zwei Wochen bewegte sich
nichts – es fand keine Kallusbildung statt. Unter Einsatz von
Tausendgüldenkraut war nach 5 Tagen auf dem
Röntgenbild Kallus zu sehen.
2.
Rippenserienfrakturen
(Brüche) sind eine äußerst
schmerzhafte Angelegenheit, weil durch die Atmung die Rippen in
ständiger Bewegung sind und schmerzen. Eine Freundin war mit
dem Fahrrad gestürzt und ihre Mutter später in der
Wohnung ebenso. Des Weiteren hatte ihre Schwester nach einem
Fahrradunfall einen
Bruch
des Jochbeins (im Gesicht, unterhalb der Augen) mit
ausgeprägtem Hämatom (Bluterguss). Die Freundin
äußert sich noch heute lobend über das
Tausendgüldenkraut...
Köstlichkeiten
zu Weihnachten
Kürbissuppe
1 Esslöffel Rapsöl
1 kleine Zwiebel gehackt
500 g
Kürbis gewürfelt
4 dl Wasser
Wenig
Bertram, Salz, Quendel, Muskatnuss, Currypulver
2 dl
Kokosmilch oder
2 dl Wasser
½ dl
Rahm
2 Esslöffel geröstete
Kürbiskernen
Zubereitung:
Rapsöl leicht erwärmen. Die gehackten Zwiebeln
beigeben und kurz dünsten. Den gewürfelten
Kürbis mitdünsten. Mit Wasser ablöschen, die
Kräuter beigeben und ca. 20 Minuten leicht köcheln
lassen. Anschliessend pürieren. Mit Kokosmilch oder Wasser
aufgiessen bis eine sämige Suppe entsteht. Den Rahm zum
Verfeinern beigeben. Zum Garnieren die gerösteten
Kürbiskerne über die Suppe streuen.
Wahlweise können auch noch geröstete Mandeln
dazugegeben werden.
Erfahrungsberichte
– Kurzsprechstunde
Hildegard-Heilkunde auch
bei Tieren erfolgreich!
Als meine münsterländer Jagdhündin Jaska von
einem Schwarzwildkeiler von vorn angegriffen wurde, schleuderte er sie
4 Meter hoch in die Luft.
Linksseitig vom Bauch bis zur Lunge aufgeschlitzt hing ihr Leben am
seidenen Faden.
Gott sei Dank war die Tierärztin an diesem Sonntagmittag zu
Hause und wollte gerade das Essen kochen.
Die Narkose, so bemerkte sie, sei eine Gratwanderung zwischen
Wirksamkeit und Kreislaufüberforderung in diesem Zustand. Die
Lunge war versulzt und musste zum Teil weggeschnitten werden. Magen und
Dünndarm waren durch das Reißen des
Stoßzahnes so verletzt, dass Sekrete und Verdauungsbrei
austrat. Während der Betäubung bekam Jaska eine
Infusion mit einem Antibiotikum. Nach dem Aufwachen weigerte sie sich
weitere Antibiotikumgaben zu schlucken. Obwohl ins Futter versteckt
spuckte die Hündin alles wieder aus, weil sie es mit ihrer
feinen Nase wahrnahm und ablehnte.
Wir fütterten Dinkelflocken als Kraftfutter, Fenchel
für die Verdauung, Bertram für die Abwehrsteigerung
und Schafgarbenpulver und als Tee für die Wundheilung
zusätzlich wurde die große äußere
genähte Wunde mit Veilchencreme gesalbt, zusätzlich
betupften wir mit Schafgarbentee und -pulver oft die Wunde. Damit
ließ sich Jaska bereitwillig behandeln und gesund pflegen.
Trotz ihrer 11 Lebensjahre (11x7=77 Alterjahre) ist sie nach wie vor
eine voll einsatzfähige Jagdhündin zu Wasser und zu
Felde. Nur Wildschweinen geht sie aus verständlichen
Gründen aus dem weg. Sie frisst seitdem neben Fleisch gern
Dinkelflocken und jeden Tag Fenchel, Bertram und Schafgarbe.
Neulich bemerkte eine Besucherin treffend: Dein Hund sieht so anders
aus und sein Fell glänzt besonders. Er hat sich erstaunlich
gut erholt nach der schweren Operation.“
Jagdwächter Heinrich Schuler, Etzelskirchen