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Nr. 77-80
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Zeitschrift Nr. 119, Dezember 2011

In der Nummer 119 unserer Zeitschrift finden sich folgende Themen:

Ausgabe 119


Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Interessierte der Hildegard Heil- und Heilskunde,

wie schön, dass Sie sich Zeit nehmen zum Lesen, Blättern in dieser Zeitschrift und evtl. zum Ausprobieren der Rezepte oder auch für Momente des Nachdenkens und Überlegens.
Zeit ist etwas Kostbares. Nur zu häufig haben wir das Gefühl, diese geht immer schneller voran. Zudem beklagen immer mehr Menschen, getrieben und gehetzt zu sein. Bisweilen sind wir es noch selber, die dieses Hamsterrad beschleunigen. Umso wichtiger sind „Auszeiten“, mögen sie auch kurz sein. Zwischendurch zur Ruhe kommen tut uns gut. Dafür ist der Winter, in der die Natur im Rückzug begriffen ist, besonders geeignet. Die längeren Phasen der Dunkelheit, der reduzierten äußeren Reize und Aktivitäten laden ein zur Innerlichkeit, zum Nachdenken über unser Leben, uns selbst und über „Gott und die Welt“.
Die benediktinische Tradition von „ora et labora“ „beten und arbeiten“ meint genau dies. Mit anderen Worten hat das der Theologieprofessor Johann Baptist Merz so ausgedrückt: „Die kürzestes Definition von Religion ist Unterbrechung“. Zeiten des Gebetes und der Meditation können schöpferische Impulse bedeuten, die wir uns selber gönnen.   
Der Winter ist auch die Jahreszeit, in der wir gerne Kerzen anzünden. Zum einen ist dies sehr  stimmungsvoll und nicht nur Kinder lieben es. Zum anderen kann es auch unseren Wunsch nach Erhellung ausdrücken, dass Licht in unser Leben kommt.
Die Hl. Hildegard war ein Mensch, der in ganz besonderer Weise in dieser Innerlichkeit und in diesem Licht lebte und daraus Kraft für den Alltag schöpfte.
Mein Wunsch für Sie/ euch und uns alle ist dieses Licht, damit wir dem Ziel, wirklich zu leben, immer näher kommen. Biblisch ist uns sogar ein „Leben in Fülle“ (Joh. 10.10) angeboten. Mögen wir alle auf diesem Weg sein und dafür immer wieder Erholungs- und Ruhephasen finden.
Immer wieder gilt es auch all denen Dank zu sagen, die sich an den unterschiedlichsten Orten engagieren, sei es in Gruppen, im Vorstand, für die Zeitschrift, bei der Erstellung von Fotos, in persönlichen Begegnungen und an den vielen oft gar nicht bemerkten Punkten und die dabei das Licht der Freude, der Hoffnung oder des Trostes weitergetragen haben.
Eine licht- und segensreiche Advents- und Weihnachtszeit wünsche ich Ihnen allen sehr und für das neue Jahr Orientierung, Zuversicht und Lebensfreude durch die vielen Anregungen mit  der Hl. Hildegard.
Auch freue ich mich schon auf die Begegnungen mit Ihnen bei unseren Tagungen oder über Telefonate, Briefe und Mails.

Ihr / euer Michael Ptok
Präsident der Internationalen Gesellschaft Hildegard von Bingen


17. September – ein besonderer Festtag

Jedes Jahr zum Namenstag der hl. Hildegard findet eine große Feier statt. Vor der kath. Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Hildegard und Johannes d. Täufer in Rüdesheim- Eibingen, oberhalb der Altstadt am Rhein direkt an den Weinbergen angrenzend, treffen viele Pilger aus dem In- und Ausland ein, um auf dem großen Kirchplatz mit Außenaltar das Pontifikalamt und die Reliquienandacht sowie die anschließende Prozession mit dem Hildegardis-Schein mitzuerleben, die durch die Straßen des Ortsteils Eibingen führt.
Pfarrhaus und Kirche befinden sich auf dem Areal des ehemaligen zweiten Klosters Hildegards, welches sie 1165 als verlassenes Augustinerkloster erwarb. Ein Brand zerstörte Klostergebäude und Kirche im Jahr 1932, so dass nach dem Wiederaufbau nicht mehr viel vom Ursprünglichen blieb.
Am Festtag wird der mit Gold verkleidete und Edelsteinen verzierte Hildegardis-Schrein feierlich nach draußen auf den Außenaltar gebracht, wo dann um 10 00 Uhr das Pontifikalamt beginnt. Der Schrein wurde zum 750. Todestag vom Limburger Bischof Aug. Kilian und dem Maria Laacher Abt I. Herwegen gestiftet. Er enthält  die unversehrten Reliquien Hildegards: Zunge, Herz, Haare und Gebeine.
In der Mittagszeit und nach der Reliqienprozession ist Gelegenheit, vor den mit kleinen Türchen geöffneten Schrein zu treten. Die Pilger warten geduldig in einer langen Reihe, um einen Moment zum Gebet inne zu halten, sich mit Fürbitten zur Vermittlung Gottes an Hildegard zu wenden oder Berührungsgegenstände an den Schrein zu halten, die sie zur Stärkung mit nach Hause nehmen.

A. Ptok


Predigt von Weihbischof Dr. Thomas Löhr, Limburg

HILDEGARDISFEST  2011
Eibingen, 17. September 2011

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

1
" Wenn die Propheten einbrächen durch Türen der Nacht ... "
Mit diesen Worten beginnt eines der großen Gedichte der Literaturnobelpreisträgerin Nelly
Sachs.
1891 in Berlin geboren, flüchtete sie 1940 vor der Judenverfolgung und lebte bis zu ihrem Tod 1970 in Stockholm. Als die große Vertreterin der deutsch-jüdischen Lyrik nach Auschwitz hat sie das Schicksal ihres Volkes vor Augen - und sieht darin zugleich das Schicksal der leidenden Menschheit gespiegelt. Was geschähe, wenn die Propheten kämen. Wenn sie auftauchten wie der Dieb in der Nacht - unerwartet, unangekündigt, gar nicht willkommen. Mit einer Botschaft ,,für die längst vom Schauer Fortgezogenen ", "für die längst im Schlaf versunkenen ", "für den Tagelöhner der längst nicht mehr wartet am Abend".
Die Propheten biedern sich nicht an, sie brechen ein " ... mit ihren Worten Wunden reißend in die Felder der Gewohnheit, ein weit Entlegenes hereinholend ... "
Da stellt die Dichterin die Frage: "Ohr der Menschheit du nesselverwachsenes, würdest du
hören? " Um schließlich mit der Frage zu enden: "Wenn die Propheten aufständen in der Nacht der Menschheit wie Liebende, die das Herz des Geliebten suchen, Nacht der Menschheit würdest du ein Herz zu vergeben haben? "
 Das die Welt so düster malende Gedicht mündet in eine ganz innige Frage, denn die Propheten sind "wie Liebende, die das Herz des Geliebten suchen ".
Deshalb fragt die letzte Zeile nicht nach irgendeiner Antwort, nicht nach einem Lippenbekenntnis, nicht nach Gedanke oder Tat. Die letzte Frage im Gedicht wird für uns zur Gewissenserforschung: "Würdest du ein Herz zu vergeben haben?"

2
Wir feiern heute, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, das Fest der heiligen Hildegard, die uns so lieb geworden ist. Wie die allermeisten von uns habe auch ich eine sehr persönliche, innige Beziehung zu ihr. Sie bedeutet mir viel, durch ihr Leben, durch ihre Lehre, durch ihre Fürsprache bei Gott. Als langjähriger Pfarrer von Eibingen und Rüdesheim, als "Hüter der heiligen Reliquien" - custos sanctarum reliquiarum, wie sich schon Pfarrer Ludwig Schneider nannte - bin ich ihr bis heute verbunden. Sie ist uns so vertraut, dass wir gern von "unserer heiligen Hildegard" sprechen. Doch gerade darin liegt eine tiefgründige Spannung - wie sie immer gilt, wenn es um die Beziehung mit einem Menschen geht. Sie ist "unsere heilige Hildegard", aber nicht unser Eigentum. Sie gehört uns nicht so, als habe sie unsere Wünsche zu erfüllen und unsere Vorstellungen zu verwirklichen.
Von ihren Zeitgenossen, so wird bezeugt, wird sie die "prophetissa teutonica" genannt: Prophetin also, und um sie von den biblischen Propheten zu unterscheiden: deutsche Prophetin. In einem französischen Buch heißt sie, um ihr Wirken nicht auf eine Nationalität zu fixieren: "La prophete rhenane" - die rheinische Prophetin. Beides drückt aus: Sie spricht im Namen Gottes in einen bestimmten Raum und eine bestimmte Zeit hinein. Sie ist keine Kunstfigur der Literatur, sondern Teil der Wirklichkeit. Hier bei uns.
Was nun wäre, wenn sie als Prophetin in unsere Welt einbräche? Durch Türen der Nacht, in die dunklen Abgründe unserer Epoche?

3
Hildegard als Prophetin. Nicht etwa, weil sie die Zukunft vorhersagt. So versteht es oft die
Alltagssprache: Wahrsager und Hellseher. Auch wenn es so falsch gar nicht ist: Hildegard sieht sehr hell; und sagt die Wahrheit ungeschminkt! Auf ihren Predigtreisen und in ihren Briefen deckt sie in prophetischer Kritik die Missstände ihrer Epoche auf. Dem Papst Anastasius hält sie vor, dass er Gott verachte und das Böse umarme, da er es schweigend in den schlechten Menschen dulde. (Briefe 30) Nicht anders gegenüber dem Kaiser Friedrich Barbarossa, den sie mahnt: "rabenschwarz ist das Verhalten jener Vorsteher, die ausgelassen und schmutzig umherlaufen ... Daher wirf die Habsucht ab und wähle die Enthaltsamkeit; das liebt der himmlische König sehr" (Briefe 507). Sie tadelt die Weltleute und kritisiert die Priester. Sie sieht das Elend der Menschen, ja der ganzen Schöpfung, die leidet, beschmutzt wird und Trauer trägt. Ganz, ganz brennende Themen auch unserer Gegenwart.
Wenn Hildegard einmal doch über die Zukunft spricht, dann verkündet sie das drohende Gericht Gottes. Worte, die man heute gern überhört und nicht ganz so laut vorliest.
4
Reichen solche Aussagen, um Hildegard Prophetin zu nennen? Sind sie nicht eher Ausdruck einer engagierten Zeitgenossin, die mit Mut und Leidenschaft ihre Meinung sagt? Vielleicht nur eine Stimme unter vielen? Immerhin eine bewundernswerte!
Was kennzeichnet Propheten? Einen wichtigen Hinweis bekommen wir durch den zweiten Patron unserer Pfarrkirche, den heiligen Johannes den Täufer. Im Benedictus, dem Lobgesang seines Vaters Zacharias, heißt es über ihn: "Und du Kind wirst Prophet des Höchsten heißen, denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten." (Lk 1, 76)
Den Weg bereiten: PARARE VIAS. - Wisse die Wege: SCI VIAS. Wie nahe liegt das beieinander. Die Wege Gottes.
 Es geht nicht um die eigene Meinung, nicht um selbst erdachte Ideen, nicht um persönliche Kritik oder Besserwisserei. Auf Christus weist Hildegard hin - wie der Täufer mit dem im Isenheimer Altar so übergroß gemalten Finger.
Christi Wege lehrt sie. Und dabei weiß sie: Einfacher ist ein christliches Leben nicht. Glauben ist nicht bequem und Kirche keine Hängematte. Wisse die Wege - das spart auch den Kreuzweg nicht aus. Das Leiden Christi, sein Kreuzesopfer, das Blut der Erlösung - in Hildegards Bildern und Texten hat das seinen festen Platz.
Die falschen Propheten hingegen schmeicheln sich ein. Sie vermeiden das Wort vom Kreuz und den Aufruf zur Umkehr. Seit jeher folgen die Menschen ihnen lieber, denn sie stellen das eigene Leben nicht radikal in Frage.

5
Hildegard wagt die freie Rede, weil sie nicht aus sich heraus redet. Ihre mystischen Schriften
legen davon Zeugnis ab. In der biographischen Erinnerung der ersten Zeilen ihres großen Werkes "Wisse die Wege - Scivias" beschreibt sie die Vision, die sie auffordert: "Rede also von diesen wunderbaren Dingen, und schreibe sie, auf diese Weise belehrt, nieder und berichte sie!“ (Scivias 15)
 Das gilt auch für ihre prophetische Kritik. ,,0 Vater", schreibt sie dem Erzbischof Philipp von Köln, "ich sage dir in Wahrheit, dass ich diese Worte in einer wahren Schau gesehen und gehört habe ... Wundere dich also nicht darüber, sondern erwäge dein ganzes Leben ... " Um dann in liebevoller Anschaulichkeit fortzufahren: "Daher geselle dich den Blumen und Gewürzkräutern zu, damit das Volk sich über deinen süßen Duft freue, weil es einen tugendhaften und tauglichen Hirten hat ... " (Briefe 52 f) Hildegard, die Posaune Gottes, tadelt aus Liebe, aus Sorge um den Vorsteher und aus Liebe zu dem Volk.
In den mystischen Schriften finden wir Hildegards prophetische Botschaft am tiefsten und innigsten beschrieben. Für sie "sind Liebe und Demut leuchtender als die  anderen Tugenden". (Scivias 43)
Innerster Kern ist die Liebe, die Gott ist. Aus Liebe hat er die Welt erschaffen. Aus Liebe entsteht der Mensch, der sich als Einzelwesen immer neu der Umarmung der Liebe verdankt. Die Liebe ist es, die den Menschen von Sünde und Tod erlöst und ihn zur ewigen Gemeinschaft der Heiligen mit Gott im Himmel bestimmt.
Angefacht von der Liebe macht Hildegard sich Sorgen um ihre Zeitgenossen. Eine solche Botschaft ist nicht harmlos, sondern hat Konsequenzen. Sie bessert die Menschen und verändert die Welt, mehr als alle gewaltsamen Revolutionen es je vermochten.

6
Braucht es diese prophetische Botschaft nicht auch heute? Vor wenigen Monaten, kurz vor der Seligsprechung Papst Johannes Pauls II., hat der römische Geschichtsprofessor Andrea Riccardi ein großes Wort geprägt: Profezie der Liebe. Er ist zusammen mit einigen Weggenossen der charismatische Begründer der Gemeinschaft von Sant'Egidio, die sich, von Rom ausgehend, auf der ganzen Welt um die Armen kümmert und die 1992 in geduldiger Zähigkeit den Friedensvertrag zur Beendigung des jahrzehntelangen Bürgerkriegs in Mosambique vermittelte. Riccardi beschrieb Johannes Paul II. als den weltweiten Anwalt der Armen mit diesem Wort: „Prophezie der Liebe".
Die Liebe ist für Hildegard zugleich der Inhalt ihrer prophetischen Rede wie auch der Ursprung, aus dem sie erwächst, und das Maß, mit dem sie sich ständig prüfen lässt.
Müssen wir nicht ehrlich eingestehen, dass wir unserer Zeit und unserem Land dieses
prophetische Zeichen in doppelter Weise vorenthalten? Weil wir zum einen nicht den Mut zur
offenen Rede haben, und zum anderen nicht aus der Liebe heraus reden und sie verkünden.
Wir haben uns als Kirche allzu bequem zurückgelehnt. Eines Tages aber sind wir aufgewacht und haben festgestellt, dass sich die Welt verändert hat und die Kirche alt geworden ist. Wie "die längst im Schlaf versunkenen" und der "Tagelöhner der längst nicht mehr wartet am Abend" in unserem Gedicht zu Beginn.
Der Auftrag an die Kirche aber ist eindeutig. Das II. Vatikanische Konzil betonte, dass das heilige Gottesvolk auch teilnimmt an dem prophetischen Amt Christi, in der Verbreitung seines lebendigen Zeugnisses vor allem durch ein Leben in Glaube und Liebe, in der Darbringung des Lobesopfers an Gott als Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Der prophetische Auftrag ist einer, der der Kirche als ganzer gilt. In allen ihren Gliedern.
Allzu lange schon vernachlässigt sie ihn, wo sie sich mit sich selbst beschäftigt, nur auf sich schaut, auf Ziele, die wir uns selber ausdenken, auf Strukturen, die von Menschen gemacht sind. Galt nicht die Aufmerksamkeit der Propheten immer gerade den Armen, also den anderen, den Fernen wie auch den Nahen, die in Not sind?

7
Hildegard ist uns das heilige Vorbild der prophetischen Liebe schlechthin. Die ihr
zugeschriebenen Wunder sind nichts anderes als die Gestaltwerdung und die Veranschaulichung der Liebe. Ihr naturwissenschaftliches Forschen und ihre medizinische Unterweisung sind Verkündigung der anbrechenden Heilszeit. Heilung und Heil, so lehrt uns Hildegard, gehören eng zusammen.
Die heilige Hildegard ist uns deshalb als prophetisches Vorbild und als Fürsprecherin im Himmel so wichtig, weil ihr Herz sich der Liebe Gottes geöffnet hat. Und weil sie, wo das Herz zum Herzen spricht (Augustinus), auch unser Herz erreicht.
Wenn die heilige Hildegard einbräche wie die Propheten: Würdest du ein Herz zu vergeben haben?

Amen.


Tausendgüldenkraut und Knochenheilung  

von Maria Dreiling

Vom Tausendgüldenkraut

Das Tausendgüldenkraut ist warm und trocken, und (R1-375) wem Knochen und „beyn“ in seinem Körper irgendwo gebrochen ist, der trinke Tausendgüldenkraut oder dessen Wurzel entweder mit Wein oder mit Wasser gemischt, und der zerbrochene Knochen wird gleichzeitig zusammengeleimt, das heißt „wellet“. Aber dann wärme (der Kranke) auch Tausendgüldenkraut in Wasser, und nach Ausdrücken des Wassers, lege er oft so warm auf die Stelle, wo der Knochen gebrochen ist, und so pflege er die Stelle damit, und er wird geheilt werden. (R1-376) Denn wer so unter Gicht leidet, dass ihm die Zunge beim Sprechen versagt und dass ihm sogar irgendein Glied beiseite gestellt wird, der mische Wurzel und Blätter des Tausendgüldenkrauts mit neuem Hirschtalg, und so mache er mit Mehl Törtchen, das heißt „Kucheln“, und er esse oft, und die Gicht, die ihn plagt, wird unterdrückt. (R1-377) Aber derselbe, der an Gicht leidet, trinke oft Tausendgüldenkraut in Wein, und die Gicht in ihm wird weichen.                                                           
 Hildegard von Bingen: Physica – Cap. 1-125

...Tausendgüldenkraut hat einen extrem bitteren Geschmack, wächst auf Trocken- und Halbtrockenrasen, ist an Wald- und Feldrändern und auf Wiesen zu finden,  blüht von Juli bis September, die Blüten sind rosa.  
Im Eichsfeld, meiner Heimat, heißt die Pflanze sogar „Milliontouznkrut“, was für die  Wertschätzung und großartige Heilwirkung spricht.      
Beschrieben oder erwähnt haben es Dioscurides, Hildegard v. Bingen, Albertus Magnus, Leonhart Fuchs, Hieronymus Bosch...
Kein Autor setzte Tausendgüldenkraut bei Knochenbrüchen ein, nur Hildegard von Bingen – das ist einmalig!

Meine Erfahrungsberichte mit Tausendgüldenkraut:
1. Den ersten Knochenbruch habe ich bereits vor gut 10 Jahren mit Hinweisen aus der Physica  und der Großen Hildegardapotheke mit Erfolg begleitet. Der Sohn einer Kollegin hatte sich das Schlüsselbein gebrochen und zwei Wochen bewegte sich nichts – es fand keine Kallusbildung statt. Unter Einsatz von Tausendgüldenkraut war nach 5 Tagen auf dem Röntgenbild Kallus zu sehen.
2. Rippenserienfrakturen (Brüche) sind eine äußerst schmerzhafte Angelegenheit, weil durch die Atmung die Rippen in ständiger Bewegung sind und schmerzen. Eine Freundin war mit dem Fahrrad gestürzt und ihre Mutter später in der Wohnung ebenso. Des Weiteren hatte ihre Schwester nach einem Fahrradunfall einen Bruch des Jochbeins (im Gesicht, unterhalb der Augen) mit ausgeprägtem Hämatom (Bluterguss). Die Freundin äußert sich noch heute lobend über das Tausendgüldenkraut...


Köstlichkeiten zu Weihnachten

Kürbissuppe

1 Esslöffel    Rapsöl
1 kleine    Zwiebel gehackt
500 g        Kürbis gewürfelt
4 dl        Wasser
Wenig        Bertram, Salz, Quendel, Muskatnuss, Currypulver
2 dl        Kokosmilch oder
2 dl        Wasser
½ dl        Rahm
2 Esslöffel    geröstete Kürbiskernen

Zubereitung:
Rapsöl leicht erwärmen. Die gehackten Zwiebeln beigeben und kurz dünsten. Den gewürfelten Kürbis mitdünsten. Mit Wasser ablöschen, die Kräuter beigeben und ca. 20 Minuten leicht köcheln lassen. Anschliessend pürieren. Mit Kokosmilch oder Wasser aufgiessen bis eine sämige Suppe entsteht. Den Rahm zum Verfeinern beigeben. Zum Garnieren die gerösteten Kürbiskerne über die Suppe streuen.
Wahlweise können auch noch geröstete Mandeln dazugegeben werden.

Erfahrungsberichte – Kurzsprechstunde

Hildegard-Heilkunde auch bei Tieren erfolgreich!

Als meine münsterländer Jagdhündin Jaska von einem Schwarzwildkeiler von vorn angegriffen wurde, schleuderte er sie 4 Meter hoch in die Luft.
Linksseitig vom Bauch bis zur Lunge aufgeschlitzt hing ihr Leben am seidenen Faden.
Gott sei Dank war die Tierärztin an diesem Sonntagmittag zu Hause und wollte gerade das Essen kochen.
Die Narkose, so bemerkte sie, sei eine Gratwanderung zwischen Wirksamkeit und Kreislaufüberforderung in diesem Zustand. Die Lunge war versulzt und musste zum Teil weggeschnitten werden. Magen und Dünndarm waren durch das Reißen des Stoßzahnes so verletzt, dass Sekrete und Verdauungsbrei austrat. Während der Betäubung bekam Jaska eine Infusion mit einem Antibiotikum. Nach dem Aufwachen weigerte sie sich weitere Antibiotikumgaben zu schlucken. Obwohl ins Futter versteckt spuckte die Hündin alles wieder aus, weil sie es mit ihrer feinen Nase wahrnahm und ablehnte.
Wir fütterten Dinkelflocken als Kraftfutter, Fenchel für die Verdauung, Bertram für die Abwehrsteigerung und Schafgarbenpulver und als Tee für die Wundheilung zusätzlich wurde die große äußere genähte Wunde mit Veilchencreme gesalbt, zusätzlich betupften wir mit Schafgarbentee und -pulver oft die Wunde. Damit ließ sich Jaska bereitwillig behandeln und gesund pflegen.
Trotz ihrer 11 Lebensjahre (11x7=77 Alterjahre) ist sie nach wie vor eine voll einsatzfähige Jagdhündin zu Wasser und zu Felde. Nur Wildschweinen geht sie aus verständlichen Gründen aus dem weg. Sie frisst seitdem neben Fleisch gern Dinkelflocken und jeden Tag Fenchel, Bertram und Schafgarbe.
Neulich bemerkte eine Besucherin treffend: Dein Hund sieht so anders aus und sein Fell glänzt besonders. Er hat sich erstaunlich gut erholt nach der schweren Operation.“

Jagdwächter Heinrich Schuler, Etzelskirchen