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Nr. 77-80
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Zeitschrift Nr. 114, September 2010

In der Nummer 114 unserer Zeitschrift finden sich folgende Themen:

Ausgabe 114


Vorwort

Wie Sie wahrscheinlich alle wissen, lebte die Hl. Hildegard im 12. Jahrhundert. Bei sehr vielen Gesprächen fragen mich die verschiedensten Menschen, wie es denn komme, dass Hildegard von Bingen nach 900 Jahren so aktuell sei und wie ihr Andenken so viele Jahrhunderte überstehen konnte. Besonders interessiert es uns moderne Menschen, ob denn die Schriften, die wir heute von Hildegard besitzen, wirklich von ihr stammen, und wie sicher wir sein können, dass sich nicht Verfälschungen und Zusätze späterer Zeit in ihre Werke eingeschlichen haben. Eine berechtigte Frage, wie ich meine.

In besonderer Weise werden diese Bedenken bezüglich des heilkundlichen Werkes laut. Da sich unsere Gesellschaft in erster Linie die Verbreitung der Erkenntnisse der Hl. Hildegard in bezug auf Heilkunde, Ernährung und Lebensführung zum Ziel gemacht hat, müssen wir uns diesen Fragen stellen.
Es ist in der Tat so, dass von mittelalterlichen Schriftstellern nahezu kein Original mehr vorhanden ist, so auch bei Hildegard von Bingen. Unter dieser Voraussetzung können wir nicht unwidersprochen hinnehmen, dass immer wieder in der heutigen Literatur, in Aufsätzen und Vorträgen, lediglich bei den medizinischen Werken Hildegards das Fehlen von Urtexten angemahnt wird. Auch von ihren anderen Werken besitzen wir kein Original mehr.
Besonders von ihrem Heilmittelbuch „Physica“ gibt es mehrere Handschriften aus dem 13.- 15. Jahrhundert. Gerade in den letzten Jahren wurde die um das Jahr 1300 entstandene Handschrift von Florenz in die neuere lateinische Schrift übertragen und steht somit für eine wissenschaftliche Bearbeitung zur Verfügung. Prof. Peter Riethe konnte dabei feststellen, dass auch die neu entdeckten Textstellen dem Denken Hildegards entsprechen. Auch andere neuere Forschungen (Schipperges, Moulinier) bestätigten, dass die uns heute vorliegenden medizinischen Schriften nach Stil und Inhalt von der Hl. Hildegard stammen.

Wer sich schon längere Zeit mit Hildegard von Bingen beschäftigt, bekommt ein sicheres Gefühl für die Echtheit der Texte, weil sie so einmalig und originell sind im Satzbau, in der Wortwahl und in der Originalität der Aussage. Ich bin im Laufe der Jahre auch sehr sensibel geworden für verfälschende Übersetzungen und Interpretationen, wie wir ihnen in letzter Zeit leider immer häufiger begegnen. Es ist ratsam, sich bei den Originalwerken „Physica – Heilkraft der Natur“ und „Causae et Curae – von den Ursachen und der Behandlung der Krankheiten“ zu vergewissern, was bei Hildegard wirklich steht. Es gibt z. B. Verlage, die keinen Autor mehr angeben, sondern sich ihre Texte aus verschiedenen Büchern zusammensuchen und dann als Billigausgaben verkaufen. Hier ist besondere Vorsicht am Platze, vor allem bei Koch-, Rezept- und Edelsteinbüchern.
Wir haben ein kostbares Erbe zu verwalten zum Wohle der Menschen. Ich persönlich habe versucht, dazu meinen Teil beizutragen, indem ich 10 Jahre lang die Redaktion dieser Zeitschrift übernommen habe. Mit Beginn des Jahres 2011 gebe ich die Redaktion ab. Ich bedanke mich bei allen, die mich auf diesem Weg in Freundschaft und Treue begleitet haben.

Im Oktober steht unsere nächste Jahrestagung in Bingen an; ich würde mich sehr freuen, Sie dabei zu treffen,
und grüße Sie herzlich
Ihre
Hildegard Strickerschmidt, Ehrenpräsidentin






Auszug aus dem Artikel

Hildegard Heilmittel mit Wirkungen auf Geist und Seele 

Von Dr. med. Michael Ptok: Zusammenfassung des Vortrages während der Jahrestagung in Einsiedeln am 13. September 2009 (II. Teil)

Die Frage, ob Heilmittel bis in den Bereich der Seele wirken können, war Inhalt des ersten Teils dieses Vortrages. Am Beispiel Jesu lässt sich zeigen, wie Gottes Sohn selber natürliche Mittel anwandte, um als unser Erlöser das umfassende Heil von Menschen zu bewirken. Dies schließt die Ebene der Seele mit ein.
In Übereinstimmung dazu zählt die Hl. Hildegard (HvB) eine Reihe von Heilmitteln auf, die sie durch die Gabe der Vision mit den spezifischen Wirkungen auf Kranke erkennen durfte.
Hildegard beschriebt diese Kräfte in Pflanzen, Bäumen, Tieren und Steinen, die ihr in der göttlichen Schau gezeigt wurden, in den uns heute vorliegenden Büchern „Physica“ – Heilkraft der Natur (Ph)und „Causae et curae“ – Von den Ursachen und der Behandlung von Krankheiten  (CC).
Dabei fallen einige ungewöhnliche Verordnungen auf, die sich jedoch in jahrzehntelanger Tradition und Erfahrung sehr bewährt haben. Die besonders wichtigen sollen folgend beschrieben werden.

Fenchel-Balsam Tee
Schon von der Namensgebung her weist dieser Tee auf die Beziehung zu Geist, Gemüt und Seele hin...

Gelöschter Wein (Ph, Cap. 3 – 54)....

Edelkastanie – Castanea vesc. (Ph, Cap. 3-12)
Die Ess- oder Edelkastanie gehört zu den von Hildegard ganz besonders geschätzten Früchten mit sehr vielfältigen Heilrichtungen... Erstaunlich ist hierbei die Organverknüpfung zwischen (organischem) Herz und Traurigkeit bzw. Frohsinn. Dieses Charakteristikum einer Wechselbeziehung unterschiedlicher Organsysteme findet sich in der gesamten Naturheilkunde wieder

Aronstab-Elixier – Decoct. Ari, (Ph, Cap.1-49)…

Muskatnuss – Nux moschata (Ph, Cap. 1-21)...

Muskat-Zimt-Nelken-kekse – Nervengewürzmischung (Ph, Cap.1-21)...

Flohsamen – Semen psylli (Ph, Cap. 1-24)...

Zusammenfassung:
Es gibt eine Vielzahl von Hildegard Heilmitteln mit Wirkungen auf Geist und Seele. Sie stellen eine wertvolle Bereicherung in der therapeutischen Arbeit dar. Ihre wesentliche Aufgabe ist es, die Patienten (lat. „Leidenden“) wieder in die „eigene Mitte“ zu führen...



Fette und Öle bei Hildegard von Bingen

Von Petra Grünhaupt, Heilpraktikerin, Oberhausen-Rheinhausen

Hildegard von Bingen bespricht in ihrem Buch „Heilkraft der Natur, Physica“  die Heilkraft der verschiedenen Pflanzen, Bäume, Tiere und der gesamten Schöpfung. Teilweise sind in den Texten explizite Aussagen zu den Fetten bzw. Ölen zu finden, teilweise muss man aber  über die allgemeine Bewertung der Pflanze, des Baumes oder des Tieres Rückschlüsse auf die Wertigkeit des  Fettes  bzw. Öles  ziehen. Die Bewertung steht teils in krassem Gegensatz zu den heute gültigen Ernährungsrichtlinien. Diese Zusammenstellung dient der Information und soll nicht als Postulat aufgefasst werden.

Pflanzenöle
Vom Raps...
Von den Kürbissen...
Vom Leinsamen (Flachs)...
Von der Distel...
Vom Hanf...
Vom Schwarzkümmel...
Vom Weizen...
Vom Mohn... 

Pflanzenöle ohne Hildegardkommentar:
Sonnenblumenöl
Sojaöl
Erdnussöl
Sesamöl
Arganöl

Meine persönlichen Erfahrungen mit den Heilmitteln der Hl. Hildegard von Bingen

von Christine Dietz, Bingen

Als ich den Hildegard-Kreis kennen lernte, durfte ich als erstes Bekanntschaft machen mit dem Hirschzungenfarn-Wein. Er sollte gegen Bronchitis und Erkrankungen der Atemwege helfen. Er besteht aus den Blättern eines Farns, die wie eine Hirschzunge aussehen. Sie helfen der Leber und der Lunge lt. der PHYSICA, dem Buch, das die Hl. Hildegard über die Tiere und Pflanzen geschrieben hat. Das Kraut wird in einem guten Wein gekocht...
Der erfolgten Reinigung durch den Hirschzungenfarnwein schloss sich ein Vorbeugeprogramm mit Galgant und Bertram an. Heute weiß ich, dass Galgant mit dem Ingwer verwandt ist, was auch seine Schärfe je nach Dosierung erklärt...
Eine weitere gute Erfahrung machte ich mit Galgant-Fenchel-Tabletten bei zu niedrigem Blutdruck...
Im allgemeinen, wenn ich mich aus irgendeinem Grund unwohl fühle, sind diese Tabletten mein Allheilmittel. Sei es bei extremen Wetterumschwüngen, bei schwülen Wetterlagen, bei Wetterfühligkeit allgemein...

Ein weiteres sehr effektives Heilmittel durfte ich erst vor kurzem kennen lernen und zwar den Schilddrüsenwickel. Wenn ich eine latente Müdigkeit und Trägheit spüre und mir der Elan fehlt, dann mache ich einen Schilddrüsenwickel.  
Ich nehme ½ Esslöffel Gundelrebe, die ich mir in der Apotheke besorgt habe, und ½ Esslöffel Liebstöckel, den mancher ja im Garten hat oder der auch im Gewürzregal im Einzelhandel vorrätig ist, und gebe diese beiden Kräuter in einen Teefilter...
Dies sind wohlgemerkt sehr subjektive Erfahrungen, die bei anderen Menschen ganz anders ausfallen können. Mein Leitspruch mit der Hildegard-Medizin ist: Einfach mit offenem Herzen ausprobieren.


Erfahrungsberichte mit Kubebenpfeffer

Vor kurzem erhielten wir einen Erfahrungsbericht über Kubebenpfeffer, den wir zum Anlass nehmen wollen, das Augenmerk auf dieses Gewürz zu richten, weil der Kubebenpfeffer in der Hildegard-Heilkunde selten erwähnt und angewendet wird. Es mag wohl daran liegen, dass der Text in der Physica für den modernen Menschen etwas ungewohnt ist und erst an unsere Sprachweise angepasst werden muss...
„Die Kubebe mäßigt die Begierde..., macht den Geist fröhlich, den Verstand und das Wissen rein und den Geist des Menschen erhellend klar.“

...Es gibt bereits von verschiedenen Menschen dahin gehende Erfahrungen, dass sich die Aufregung deutlich dämpft, wenn etwa 4 – 6 Kubebenpfefferkörner gekaut werden. Wenn nötig, kann es nach einigen Stunden wiederholt werden... Wir denken, solche Erfahrungen haben es verdient, bekannt gemacht zu werden. Mit dem Kubebenpfeffer können wir die Palette der heilenden Gewürze wie Galgant, Bertram und Quendel in der Küche erweitern.                                                          

Die Redaktion


Ist die Hl. Hildegard keine offizielle Heilige, sondern nur eine „Volksheilige"?

Folge 3:
Wie ist der Irrtum einer nicht erfolgten Kanonisation der Hl. Hildegard entstanden?
von Klaus Peper

Im Staatsarchiv Koblenz findet sich unter den Hinterlassenschaften des Klosters St. Rupertsberg ein Dokument, das im Jahre 1233 erstellt und 1243 nachbearbeitet wurde und aus späterer Zeit den irreführenden Titel „Kanonisation der Heiligen Hildegard“ trägt. Eine Bezeichnung als „Untersuchungsakten des Lebenswandels und der Wunder der Jungfrau Hildegard“ wäre korrekt gewesen...
...Es war damals aber durchaus gang und gäbe, dass auch nach erfolgreichem Abschluss der Untersuchung vor Ort eine große Zahl von Kanonisationsverfahren in Rom nicht automatisch weiterbearbeitet wurde, sondern dass Akten schon nach kurzer Zeit spurlos verschwanden...
Der anfangs erwähnte Bericht ist das überhaupt erste vollständig überlieferte Untersuchungsprotokoll eines Heiligsprechungsprozesses.
Aus dem Umstand, dass in der Folge ein Abschluss des Verfahrens nicht nachgewiesen werden konnte, entstand im 20. Jahrhundert die Vermutung, eine Kanonisation sei überhaupt nie erfolgt. Dabei wurde die entscheidende Tatsache übersehen, dass Hildegard von Bingen seit 1584 im Martyrologium Romanum (MR) als offizielle Heilige der römisch-katholischen Kirche geführt wurde.
Für viele andere im MR aufgeführte Heilige aus der Kirchengeschichte bis zum Mittelalter ist ein regulärer Kanonisationsprozess nicht beendet oder überhaupt durchgeführt worden. Lediglich bei der Hl. Hildegard wurde im Schott-Messbuch behauptet, sie sei nie förmlich heilig gesprochen worden. So wurde das Gerücht eines Makels im Status Hildegards als offizielle Heilige weit verbreitet.