Vorwort
Liebe Hildegard-Freunde,
die Diskussion um die Hildegard-Heilkunde wird pro und contra mit
verschiedensten Argumenten geführt. Sie als Mitglieder der
Internationalen Gesellschaft Hildegard von Bingen werden sicher immer
wieder damit konfrontiert und fragen sich, wie Sie sich fit machen
können für solche Gespräche...
... scheint mir aber wichtig zu sein, die eigene Überzeugung auf
tragfähige Füße zu stellen, das heißt, sich zu
informieren; zum einen, um selbst sicherer zu werden und zum anderen,
um Rede und Antwort stehen zu können.
So konnten wir für unsere
Hildegard-Tagung vom 22. – 24. August 2008
in Bingen
mit Prof. Dr. med., Dr. phil., Dr. hc. Gundolf Keil, Medizinhistoriker
aus Würzburg, einen sehr kompetenten Referenten gewinnen, der uns
fundierte Informationen zur Originalität der Heilkunde Hildegards
vermitteln kann.
Wir haben aber auch weitere wichtige Themen im Programm:
- Die Heiligkeit Hildegards, welche immer wieder angezweifelt
wird. Es mutet etwas eigenartig an, wenn heutzutage, in der die
Heiligen kaum mehr eine Rolle spielen, regelmäßig die Frage
nach der Heiligkeit von Hildegard von Bingen gestellt wird.
- Die Aktualität Hildegards in Form von positiver
Verbreitung als auch in Form von Missbrauch und Verzerrung. Bei einer
Umfrage des SWR war Hildegard von Bingen eine der zehn bedeutendsten
Rheinland-Pfälzern, war die einzige Frau und belegte vor Kardinal
Lehrmann den vierten Platz.
- Die Faszination, welche die hl. Hildegard heute auf viele
Menschen ausübt. Sie zeigt sich auf allen Gebieten und
schlägt sich in der schier unüberschaubaren Flut von
Büchern nieder.
- Die Ergebnisse praktischer Anwendung im medizinischen
Bereich. Es sind keine Scharlatane, sondern professionell ausgebildete
Ärzte und Heilpraktiker, die über ihre Erfahrungen mit der
Hildegard-Heilkunde berichten.
Das ausführliche Programm finden Sie in diesem Heft und auf
unserer homepage:
www.hildegard-gesellschaft.org
unter „Veranstaltungen“.
Mit diesem Programm bleiben wir der Zielsetzung unserer Gesellschaft
treu, nämlich die Botschaften Hildegards dem Menschen unserer Zeit
nahe zu bringen. Wir hoffen, dass Sie zahlreich zu unserer Tagung
kommen.
Mit freundlichen Grüßen
Hildegard Strickerschmidt
Präsidentin
Die Spiritualität in der Heilkunde der hl. Hildegard
- Wie die Seele die Organe beeinflusst
Auszug aus dem Vortrag von Hildegard
Strickerschmidt bei der Hildegard-Regionaltagung in Emmerich-Elten am
1. September 2007, 2. Teil
Im letzten Heft wurde eine grundlegende Einführung in die
Zusammenhänge zwischen Seele und Leib gegeben, wobei die
Erkenntnisse der hl. Hildegard verglichen wurden mit den
Forschungsergebnissen der modernen Gehirnforschung.
In ihrem medizinischen Werk causae et curae – Ursachen und Behandlung
der Krankheiten, und in ihrem Liber divinorum operum – Buch der
göttlichen Werke, (s. Literaturhinweis am Ende des Artikels)
beschreibt Hildegard sehr differenziert die vielfältigen Ursachen
von Krankheiten. Ihre umfassende Sichtweise nötigt den modernen
Menschen zu einem grundsätzlichen Umdenken, das alle gewohnten
Denkmodelle beiseite lassen muss. Nicht isoliert betrachtete Prozesse
in einzelnen Organen, die durch Viren oder Bakterien ausgelöst
werden und sich in messbaren Werten feststellen lassen, sind die
Grundlage der hildegardischen Heilkunde und Heilslehre, sondern der
ganze Mensch als Person. Sie fragt, wer dieser Mensch ist und wo er
seinen Standort in dieser Welt hat, denn er steht in Beziehung zum
Ganzen und ist Gott gegenüber verantwortlich. Sie fragt nach den
Gründen für die Schwäche und Anfälligkeit, für
die Fragwürdigkeit und die Endlichkeit unseres Daseins. Und sie
gibt von daher Antworten für die Möglichkeiten von Heilung
und Heil...
Die Körpersäfte
Ein zentraler Begriff in der kosmischen Psychosomatik Hildegards sind
die Körpersäfte, wie sie ähnlich (aber nicht gleich!) in
der antiken Säftelehre beschrieben sind... Einen möglichen
Zugang finden wir in der sogenannten „Ganzheitsmedizin“, die Mitte des
20. Jahrhunderts von einigen bedeutenden Wissenschaftlern, allen voran
Prof. Dr. Alfred Pischinger in Wien, entwickelt wurde. (Die folgenden
Informationen zu diesem Thema wurden der Hildegard-Zeitschrift 75/2000,
Vortrag von Dr. Felix Berger, entnommen.) Das von ihm so genannte
„Grundsystem“ gilt als die Grundlage der heutigen Regulationsmedizin...
Die Säfte bei Hildegard von Bingen
Diese Sichtweise wird in der Schau Hildegards noch wesentlich
erweitert...
Das Wort „Phlegma“ wird von Hildegard von Bingen häufig verwendet.
Es bedeutet seinem Sinn nach „Rückstand“, Ablagerung (z. B.
Harnsäure) oder die dadurch bedingte Entzündung.
„Dass manche Menschen an
verschiedenen Krankheiten leiden, kommt von dem Phlegma, das in ihnen
im Überfluss vorhanden ist.. Wäre nämlich der Mensch im
Paradies geblieben, würde er die Phlegmen, von denen viele Leiden
kommen, nicht in seinem Körper haben, sondern sein Fleisch
wäre gesund und ohne Schleim (livor)..."
Der Mensch kann nicht mehr das Paradies bewohnen, sondern muss sich
ständig mit Schwierigkeiten verschiedenster Art
auseinandersetzen... Der Mensch kann sich nicht herauslösen aus
der Abhängigkeit von den kosmischen Vorgängen. Er ist immer
instabil und anfällig. Je besser er diese Situation annehmen kann,
desto geordneter werden seine Körpersäfte.
Die Körpersäfte und die
einzelnen Organe
Bei der Beschreibung der einzelnen Organe knüpfen wir an die
Ausführungen von Herr Dr. Ptok an, der in den letzten beiden
Heften die Ursachen von Lebererkrankungen nach Hildegard von Bingen und
ihre Behandlung auf der medizinischen Ebene besprochen hat. Wir
führen die Gedankengänge anhand von Hildegard-Zitaten weiter
auf der psychosomatischen Ebene. Die folgenden Texte sind, falls nicht
anders vermerkt, dem Buch der göttlichen Werke, 1. Buch, vierte
Schauung entnommen.
Die Leber
...Am Beispiel der Leber wird beschrieben, wie die Säfte durch die
Vorgänge in der Natur verändert werden, wie sie aber auch
durch das Wissen der Seele beeinflusst werden...
„Die Leber braucht die Freude wie die
Blume den Sonnenschein...“
Lang anhaltende Traurigkeit schädigt die Leber; sie wird
porös wie ein Schwamm...
Um die Leber angesichts so vieler Belastungen zu stärken, gibt es
bei Hildegard verschiedene natürliche Heilmittel, die im letzten
Heft genannt wurden...
... Die ungeordneten Säfte können Brust und Leber
„überschwemmen“. Deshalb steigen viele widersprüchliche
Gedanken auf und lassen den Menschen an sich selber zweifeln.
Beziehung von Leber und Gehör
Ungewohnt und für uns oftmals verwirrend ist die Beschreibung der
gegenseitigen Beeinflussung von Organen und seelischen Reaktionen, da
wir gewohnt sind, jeweils nur das erkrankte Organ einzeln für sich
zu sehen und zu behandeln...
„Durch das Hören des Ohres wird das Innere des Menschen
erschüttert“
Lunge
Ein weiterer Weg der aufgewühlten Säfte – bei Hildegard
„Phlegmen“ genannt – führt zur Lunge...
... Wieder sind die Ohren die Schleuse, von der aus die Säfte
aufgewühlt werden. Sie sind ein Sinnesorgan, das unentwegt den
Reizen der Umwelt ausgesetzt ist...
Herz
... „Diese Vorgänge verwirren
auch das Herz derart, dass der Mensch nicht die so notwendige Ruhe des
Herzens bekommen kann, so dass er auf dem geraden Weg hin und her
schwankt...“
... Nach dem Aufruhr in Leber, Gehör und Lunge beginnt das Herz zu
schmerzen, außerdem kann eine Brustfellentzündung
auftreten...
Gehirn und Magen
... „Und dann steigen dieselben
Säfte zum Gehirn auf, stecken es an, vergiften es, steigen zum
Magen hinunter, erzeugen Fieber in ihm, und so wird jener Mensch
für lange krank gemacht...
Hildegard beschreibt noch viele Zusammenhänge mit anderen Organen
wie Nieren, Milz, Eingeweide, Sexualorgane, Haut, Waden, was aber einer
späteren Bearbeitung überlassen werden muss.
Zusammenfassung
In diesen beiden kurzen Artikeln wurde an einigen Texten Hildegards
aufgezeigt, welche bisher unbekannten psycho-somatischen Erkenntnisse
in Hildegards Heilkunde enthalten sind... Der Vergleich mit den
Ergebnissen der modernen Gehirnforschung und den Erkenntnissen der
Ganzheitsmedizin zeigt in evidenter Weise, wie deutlich Hildegard von
Bingen in ihrer seherischen Begabung diese Zusammenhänge geschaut
hat.
Literatur:
Hildegard von Bingen, Das Buch vom Wirken Gottes – Liber
divinorum operum, übersetzt von Mechthild Heieck, Pattloch Verlag,
Weltbild Verlag Augsburg 1998
Hildegard von Bingen, Ursachen und Behandlung der Krankheiten
(causae et curae), Basler Hildegard Gesellschaft, CH – 4010 Basel,
übersetzt von Dr. Hugo Schulz
Das Gottesbild der hl. Hildegard v. Bingen
Aus
dem Vortrag von Sr. Maria Ellinger auf der Jahrestagung in Einsiedeln
am 22. September 2007 werden geistliche Impulse mit Zitaten der
heiligen Hildegard veröffentlicht, die den verschiedensten Stellen
ihrer Werke entnommen sind. Sie im einzelnen zu nennen, würde den
Rahmen sprengen. Wer aber daran interessiert ist, kann bei der
Redaktion nachfragen
2. Teil
Die Heiligkeit und die Herrlichkeit
Gottes
Hildegard sieht ein Licht von so gewaltiger Größe, dass es
einem großen und hohen Berg gleicht, von dem es sich wie in
vielen Zungen teilt. Die Heiligkeit des Vaters leuchtet durch das ewige
Wort auf. Im Sohn Gottes ist die Fülle der Heiligkeit... Wie bei
allen Mystikern finden wir bei Hildegard ein tiefes Staunen.
Worüber staunt sie? Sie staunt über Gott, seine
Schöpfung und das Wunder allen Lebens, die Weisheit und die Liebe,
die in jedem Geschöpf erkennbar ist. Gott ist das Leben, oder „der
allem Lebendigen das Leben verleiht“...
Hildegard scheint aber gespürt zu haben, dass der Begriff Leben
schon abgegriffen und blass wirkt; deswegen gebraucht sie an dessen
Stelle auch „viriditas“- „Grünkraft, Lebenskraft“, denn ‚Leben‘
steht für sie geradezu für ‚Heil...
Die „Furcht des Herrn“
... Das Charakteristische bei der Beschreibung der Furcht Gottes durch
Hildegard ist also die Tatsache, dass sie diese Haltung in großer
Nähe zu Glaube, Liebe und Verehrung Gottes sieht...
„Gottes Gerechtigkeit“
... Es ist schwer, die vielen Aspekte der Gerechtigkeit bei Hildegard
zusammenzufassen...
„Gott ist gerecht und deswegen hat er alles, was er im Himmel und
auf der Erde gemacht hat, in gerechter Anordnung geordnet.“
... „Die ganze Gerechtigkeit ist in Gott und alles Gute und
Rechte geht von ihm in die Menschen und in alle Kreaturen
über.“...
Fortsetzung im nächsten
Heft.
Die Bäume als Heilmittel
aus dem Pflanzenbereich sind in der
Physica der hl. Hildegard nicht so zahlreich wie die Pflanzen und
werden dementsprechend auch weniger beachtet. Und doch finden sich
zahlreiche Hinweise auf Heilwirkungen. Am bekanntesten ist der
Kastanienbaum, der auch schon in dieser Zeitschrift besprochen wurde,
da sehr viele Teile an ihm heilkräftig sind. (Siehe Zeitschrift
Nr.98/September 2006)
Die Quitte bei Hildegard von Bingen -
cydonia oblonga
Klaus Strickerschmidt
Der Quittenbaum ist ein spätblühender Baum, etwa im Mai-Juni.
Die Quitte ist heute vielen Menschen nicht mehr bekannt, vermutlich,
weil die harte Frucht schwer zu bearbeiten und roh nahezu
ungenießbar ist. Sie hat aber ein vorzügliches Aroma und
schmeckt gekocht oder gebraten hervorragend...
Vom Quittenbaum, Physica, Cap.3-4
Die Quitte ist bei Hildegard ein Mittel gegen Gicht...
Gegen zu starken Speichelfluss...
Gegen Geschwüre und Übelriechendes...
Allgemein gilt heute die Quitte als gesund... Sie kann zu Quittenmus,
Quittenmarmelade oder Quittengelee verarbeitet werden.
Rezepte:
Quitenschnitte eingelegt (von Emmi Erni)...
Quittenbrot (von Petra Grünhaupt)...
Die Kornelkirsche (Dirlitze) - Cornus
mas
Klaus Strickerschmidt
Gerade, wenn der Winter sich verabschiedet, die Sonne zaghaft ihre
ersten wärmenden Strahlen durch die Wolken schickt, und wenn noch
nichts grünt, dann schmückt sich die Kornelkirsche, der
Hamamelis nicht ganz unähnlich, mit ihrer üppigen
Blütenpracht...
Die Kornelkirsche finden wir bei Hildegard von Bingen in der Physica,
Cap. 3 – 40...
Wer an Gicht (rheumatische Beschwerden) leidet...
Zur Frucht sagt sie: „Die Frucht
schadet dem Menschen nicht, wenn man sie isst, aber sie reinigt und
stärkt den kranken und auch den gesunden Magen, sie nützt dem
Menschen für die Gesundheit.“...
Folgende ergänzende Hinweise schickt uns Frau Dr. Maria
Streicher-Stoll, Kressbronn/Bodensee.
Das Rezept zur Bereitung des Bades kann auch selbst angewendet werden...
Die Frucht kann roh oder gekocht gegessen werden... Man kann
Kornelkirschen - Marmelade kaufen, sie ist aber sehr teuer, weil die
Herstellung schwierig ist...
Rezept:...
Kornelkirschen-Gelee zeichnet sich durch einen frischen,
säuerlichen Geschmack aus.
Rezept:...
Verwendung: Als Brotaufstrich, Beigabe und Süßungsmittel in
Natur-Joghurt, Quark- und Sahnemischungen für feine Desserts.
Durch ihren leicht säuerlichen Geschmack ist sie sehr erfrischend.
Freudige Erfahrungsberichte mit Hildegard-Heilmitteln bei Zahnschmerzen
Auszug
Erster Bericht
Eine Bekannte ist in Frankreich in Urlaub, bricht den Urlaub ab, weil
sie starkes Zahnweh bekommt... Den Notzahnarzt will sie nicht
aufsuchen, so kommt sie zu mir.
Da ich immer das Herba Verbenae concis = Eisenkraut geschnitten,
und Herba Absinthii concis = Wermutkraut geschnitten
zu Hause habe, gab ich ihr die beiden Kräuter mit folgendem Rezept
nach Hildegard von Bingen:...
Zweiter Bericht
Ich hatte auch ein gutes Echo mit einem anderen Hildegard
Zahnweh-Rezept...Salatkerbelwein:
...
Dritter Bericht
Die kalte, frische Wasseranwendung:
„Wer gesunde, kräftige Zähne haben will, soll am Morgen, wenn
er aus dem Bett steigt, reines, kaltes Wasser in den Mund nehmen und so
eine Weile in seinem Mund lassen, damit der schleimige Belag an seinen
Zähnen aufweicht...
Vierter Bericht
Natürlich sage ich allen Interessierten von der guten
Rebaschenlauge...
Salmknochenpulver
= Ossa Salmonis pulv.(aus der Fischhandlung)
Diese Anwendung will ich, da wir nun am Bodensee leben, ausprobieren.
Vielleicht macht jemand mit.
Aus Physica, Cap.5 –5: „Wenn bei
einem Menschen das Zahnfleisch verfault – eitert – und die Zähne
schwach und krank sind (locker werden), der mache die Knochen vom
Salmfisch ( Salmo salar, atlantischer Lachs) zu Pulver, füge etwas
geglühtes (Stein-) Salz bei und streiche dieses – gesalzene –
Pulver nachts um die Zähne, damit es den Speichel zieht und
ausfließen lässt. Das reinigt das Zahnfleisch und heilt es.“
In der Praxis von Dr. Hertzka wurde dieses Rezept sehr erfolgreich mit
den Gräten des Bodenseelachses angewandt. Das Pulvern von
Fischknochen ist nicht jedermann Sache und wird am besten von einem
Labor besorgt. Der Speichel, den das Pulver zieht, soll
ausfließen und soll nicht ausgespuckt werden.
Die Wirkung auf die Zähne selbst – nicht nur auf das Zahnfleisch –
ist bei diesem Mittel stärker als beim Salat-Kerbelwein.
Lucia Rauh HP,Salem
Bericht über den Fastenleiterkurs im März 2008
Mit Freude darf ich über den
Fastenleiterkurs im Kloster Jakobsberg berichten. Auf oftmalige
Anfragen hin veranstaltete Hildegard Strickerschmidt wieder ein
Fastenleiterseminar, an dem 16 Personen aus den verschiedensten
Berufsgruppen teilnahmen. Wir fasteten von Montag bis Donnerstag nach
den Richtlinien eines gemäßigten Dinkel-Fastens wie es von
Hildegard Strickerschmidt zusammengestellt, von Klaus Peper
unterstützt, eine angenehme und für den Körper schonende
Fastenform darstellt.
Wenn viele Menschen „Fasten“ hören, so denken sie als erstes nur
an einen Nahrungsentzug um abzunehmen oder den Darm zu sanieren. Bei
Hildegard von Bingen steht jedoch der Mensch in seinen drei Seinsebenen
von Geist, Seele und Körper mit der Rückbesinnung auf Gott im
Mittelpunkt allen Heils, es ist die Basis des Lebens. Um heil zu werden
„soll man an der Seele anfangen.“
Das gemäßigte Fasten ist für dieses Heilwerden sehr
wertvoll. Durch die reduzierte und sehr einfache Kost kann der Mensch
sein rechtes Maß in seiner Lebensführung finden. Wer mit
seiner Lebenskraft nicht Maß halten kann, dem werden die Sinne
stumpf und die innere Lebendigkeit geht mehr und mehr verloren.
Der Mensch soll sich aber auch vor zu strengem Fasten hüten, denn
das Fasten soll zur Freude des Menschen dienen und Hildegard warnt in
einem Briefwechsel an eine Äbtissin vor Kasteiung. Sie schreibt:
„Trockener Sand ist zu nichts nütze
und die Erde gibt keine Frucht, wenn sie durch den Pflug zu stark
zerbröckelt wird. Aus dürrem Felsboden sprießen nur
Dornen und lauter unnützes Kraut. Genau so richtet
unvernünftige Enthaltsamkeit das Fleisch eines Menschen zugrunde,
weil ihm nicht die Grünkraft einer rechten Ernährung
vergönnt wird. Davon dörrt der Mensch aus. Zu strenge
Enthaltsamkeit entzieht auch dem Tugendleben die Grünkraft
(Lebenskraft) und nur ein windiger nichtsnutziger Ruf wächst auf,
als seien solche Leute heilig und sind es doch gar nicht...“ Aus
diesem wundervollen Text geht klar hervor, wie Mäßigkeit zu
Lebenskraft und Gesundheit führen kann.
Verlauf des Seminars:
- Am Morgen aktivierten wir unseren Stoffwechsel durch gymnastische
Übungen, selbstverständlich in frischer Luft, um
genügend Sauerstoff aufzunehmen und richtig wach zu werden.
- Anschließend fand eine Morgenandacht in einer Kapelle
statt. Jeden Tag in Gottes Hände zu legen und alles Tun auf seinen
Willen auszurichten, ist eine wahre Kraftquelle.
- Zum bewusst, teils schweigend eingenommenen Frühstück
gab es Fencheltee und Dinkelkaffee, eine Scheibe Dinkelbrot und, damit
die Verdauung gut funktioniert, reichlich Flohsamen.
- Am Vormittag durften wir von den vielen Erfahrungen unserer
Fastenleiterin schöpfen.
- Zu Mittag gab es eine Dinkelschrotsuppe mit etwas Gemüse
(Fenchel, Sellerie und Karotten) und Gewürzen wie Salz, Galgant,
Bertram, Kubebenpfeffer, Quendel und etwas Petersilie.
- Anschließend genossen wir einen Leberwickel und danach
einen Spaziergang, bevor am Nachmittag wieder Theorie im Programm stand.
- Am Nachmittag tranken wir Fencheltee mit Honig, Zimt und
Flohsamen, abends gab es eine Dinkelgrießsuppe mit Gemüse
und Gewürzen, eine Scheibe Dinkelbrot und auch Apfelsaft.
- Im Anschluss wurden wieder Hinweise zur Leitung einer
Fastengruppe besprochen sowie die geistig-spirituelle Begründung
und Durchführung des Fastens bei Hildegard von Bingen.
Zur Herz- und Kreislaufstärkung nahmen wir fleißig
Petersilienhonigwein und Fenchel-Galganttabletten. Wichtig ist beim
Fasten auch ausreichend Ruhe und Schlaf.
Am letzten Abend wurde mit einem Bratapfel das Fasten gebrochen. Obwohl
es alle Tage dieselbe Suppe gab, schmeckte sie am letzten Tag immer
noch vorzüglich.
Dieses Fastenseminar bot die Möglichkeit, eine gute Fastenleitung
und gleichzeitig die Art des Fastens kennen zu lernen und die Wirkung
an Seele und Leib selbst zu spüren.
Ich bin dankbar, dieses gemäßigte Dinkelfasten nach der hl.
Hildegard kennen gelernt zu haben. Während des Fastens fühlte
ich mich sehr wohl, nur die vermehrt spürbare
Kälteempfindlichkeit stieg aufgrund der Stoffwechselumstellung des
Körpers. Die Haut in meinem Gesicht reinigte sich und ein
andauerndes seelisch - körperliches Wohlbefinden stellte sich ein.
Bei meinen früheren Fastenversuchen mit strengem Fasten konnte ich
dieses Wohlbefinden während des Fastens nicht empfinden und ich
ging an die Grenze meiner Kräfte. Somit kann ich dieses Fasten
jedermann empfehlen, da das gesundheitliche Risiko bei dieser Art des
Fastens sehr gering ist. Fasten ist gerade heute in unserer
Wohlstandszeit sehr wertvoll, um zu einem bescheidenen und gesunden
Lebensrhythmus zu finden, der uns zu wahren Gotteskindern heranwachsen
lässt.
Viel Freude beim Fasten wünscht Helga Maria Miedl,
Oberwölz/Österreich