Vorwort
Wieder geht ein Jahr mit verschiedenen Aktivitäten zu Ende.
Die Jahrestagung wurde dieses Jahr wieder in der Schweiz abgehalten und
zwar in Wil, weil dort der größte Hildegard-Verein besteht.
Die Internationale Gesellschaft wurde als erster Hildegard-Verein im
Jahre 1980 in CH-Engelberg gegründet und deshalb kommt auch heute
noch der größte Teil unserer Mitglieder aus der Schweiz.
Unsere Gesellschaft macht regelmäßig das Angebot von
Jahrestagungen bzw. weiteren Tagungen, um Einzelmitgliedern,
Hildegard-Gruppen und anderen Interessenten die Möglichkeit zu
geben, sich einschlägig zu informieren, und um Kontakte und
gegenseitigen Austausch zu pflegen. Diesem Engagement entsprechend
wünschen wir uns Anregungen und Mitdenken unserer Mitglieder, aber
auch eine rege Teilnahme bei den Tagungen.
Im Lauf der Jahre nahmen die Teilnehmer aus anderen Ländern
Europas zu, vor allem wuchs die Teilnehmerzahl aus Deutschland. Deshalb
führten wir in diesem Jahr erstmalig eine Tagung im Norden
Deutschlands durch, welche einen guten Anklang fand (s. Bericht in
dieser Zeitschrift). Es wurde der Wunsch geäußert, diese
Möglichkeit eines Treffens in der Mitte oder im Norden
Deutschlands zu einer Tradition werden zu lassen, da die weiten
Entfernungen in die Schweiz eine Teilnahme nahezu unmöglich machen.
Bei beiden Tagungen wurde von den Mitgliedern des Therapeutischen
Arbeitskreises wiederum darauf hingewiesen¸ wie wichtig es
ist, die persönlichen Erfahrungen mit der Hildegard-Heilkunde
anderen Menschen weiter zu geben. Bitte schicken Sie uns
Erfahrungsberichte; sie brauchen stilistisch nicht perfekt zu sein. Ich
höre immer wieder, wie gerne diese Berichte gelesen werden; aber
wenn keine Berichte geliefert werden, können auch keine
veröffentlicht werden. Unsere Berichte sind nämlich echt und
nicht fingiert.
Am Ende dieses Jahres will ich allen danken, die diese gute Sache zu
einem Herzensanliegen machen und sich aktiv dafür einsetzen.
Jede/r weiß, dass er selbst am meisten bereichert wird, wenn die
hl. Hildegard mit ihrer Heilkunde und ihrem prophetischen Werk in
seinem Leben einen wichtigen Stellenwert hat.
Zum Weihnachtsfest und zum Beginn des Neuen Jahres wünsche ich
Ihnen allen viel Freude und Gottes Segen.
Ihre
Hildegard Strickerschmidt Präsidentin
Immunsystem OK - Alles OK
Auszug aus demVortrag von Dr. Joachim Ebersberg bei der Jahrestagung in
Wil am 24. September 2005
Was die Heilige Hildegard so schön formulierte: Pflege deinen Leib
so, dass deine Seele gern darin wohnt, klingt heute etwas
nüchterner: Jeder Mensch ist für den Zustand seines
Immunsystems mit verantwortlich. Er muss wissen, wie sich bestimmte
Verhaltensweisen auf seine Immunabwehr auswirken. Und dieses Wissen ist
wichtig, denn:
Das Immunsystem ist die Grundlage
für unsere Gesundheit.
Und nur eine gut funktionierende körpereigene Abwehr ist Garant
für ein gesundes, langes Leben.
Die menschliche Abwehr gegen Krankheitserreger setzt sich aus zwei
Systemen
zusammen: dem
angeborenen und
dem
erworbenen (adaptierten)
Immunsystem...
Die körpereigene Abwehr
Schauen wir daher zunächst einmal, was wir dazu tun können,
unsere körpereigene Abwehr zu stärken – andererseits aber
auch darauf, was unsere körpereigene Abwehr schwächt...
Wenn durch die Regel Benedikts von Nursia etwa 7 – 8 Stunden Schlaf
oder zumindest körperliche Ruhe verordnet wurde, so deckt sich das
genau mit unserem heutigen Wissensstand. Hildegard sagt:
„Wenn die Seele des Menschen
ihre Kräfte während des Schlafens in sich gesammelt hat,
lässt sie sein Mark wachsen und stärkt es...
Singen stärkt die
Abwehrkräfte
Mit dem Singen bewirken Sie zweierlei:
- eine gehobene Stimmung
- und eine Stärkung des Immunsysterms...
Singen macht glücklich.
Noch ein Wort zum Glück:
Freude und Lachen stärken das
Immunsystem...
Dazu Hildegard von Bingen:
“Hat der Mensch die Heiterkeit seines
Gemütes wieder erlangt, dann kehren auch die Gefäße in
ihren gesunden Zustand zurück.
Stress schwächt das Immunsystem...
Hektik und Hetze herausnehmen.
Anstelle von: Ich mache dies und jenes schnell und noch dazu
gleichzeitig,
sage ich: Ich mache dies und jenes richtig und eines nach dem anderen...
Ein heilsamer Trank gegen den Stress ist auch der Petersilienhonigwein.
Dieses wohlschmeckende Getränk aus Wein, Petersilie, Weinessig und
Honig schützt und stärkt ein schwaches Herz und mobilisiert
den Kreislauf gegen Stress und Ermüdung. Die Einnahme empfiehlt
sich vor allem zwischen 11.00 und 13.00 Uhr, der „Herzzeit“ nach der
chinesischen Organ-Uhr (nach Stiefvater). 11.00 – 13.00 Uhr ist auch
Stresszeit!...
Durch Bewegung an der frischen Luft bzw. durch Sport können die
Auswirkungen der Stresshormone z.B. Adrenalin und Cortisol abgebaut
werden... (Fortsetzung im nächsten Heft.)
Rezept für „Nervenkekse“
Hildegard rät in ihrer „Physika“:
„Nimm Muskatnuss und gleichviel Zimt und weniger Nelken und mache
mit Semmelmehl und etwas Wasser daraus Törtchen.“ (Physika, Kap.1
– 21)
Für die langjährigen Hildegard-Freunde gehört dieses
Rezept zur Standard-Ausrüstung...
Hildegard Tagung in Münster/Westfalen vom 14. - 16. Oktober 2005
Bericht von Frau Margret Stukenbrok, Münster
Zum ersten Mal fand in Münster eine Tagung der Internationalen
Gesellschaft Hildegard von Bingen, CH – Engelberg statt, und zwar im
Kolping – Tagungshotel., von Freitag 15.00 Uhr bis Sonntag 13.00 Uhr.
Das Hotel Ambiente war sehr gut geeignet für eine solche Tagung.
Mit 42 ständigen Teilnehmern und am Samstag mit 64 Personen war
die Tagung gut besucht...
Nach der Begrüßung durch die Präsidentin
Hildegard Strickerschmidt, hieß Bürgermeisterin Frau Karin
Reismann die Gäste in Münster herzlich willkommen, der Stadt
des Westfälischen Friedens, und hob hervor, dass Münster die
lebenswerteste Stadt in Deutschland sei.
Frau Hildegard Kemper stellte den Hildegard-Kreis Münsterland vor
und entschuldigte die Vertreter der Kirche, da die Seligsprechung des
Münsteraner Bischofs während der Nazizeit, Kardinal von
Galen, in Rom stattfand.
Über den Freundeskreis Hildegard von Bingen im nördlichen
Münsterland berichtete Albert Bode aus Ibbenbüren...
Der Einführungsvortrag von Sr.Hiltrud Gutjahr von der Abtei St.
Hildegard in Eibingen hatte das Thema: „Heil und Heilung des ganzen
Menschen nach Hildegard von Bingen“...
Danach zeigte Dr. Louis van Hecken aus Belgien mit einem Power-Point in
eindrucksvoller Weise seine Erfahrungen mit Bertram bei der Behandlung
von Malaria und HIV/Aids in Sambia...
Im Vortrag „Hauptsache Mensch – die Bedeutung der heiligen Hildegard
für unsere Zeit“ stellte Hildegard Strickerschmidt die heutige
Sicht des Menschen... der ganzheitlichen Sicht Hildegards
gegenüber,..
Die Ausführungen von Klaus Strickerschmidt folgen über: „Die
Kräuterheilkunde Hildegards von Bingen mit Beispielen für die
praktische Anwendung“. Illustriert durch farbige Photos gab es Tipps
zum Anbau, Aussehen der Pflanzen und Wirkung bei Krankheiten,
Zubereitung von Elixieren...
Das Ehepaar Dr. med. Michael Ptok und Agnes Ptok, Heilpraktikerin, aus
Bielefeld referierte über:„Grundlagen und Anwendung der Hildegard
Heilkunde.“...
Am Abend feierte Bischof Dr. Reinhard Lettmann zusammen mit den
Teilnehmern einen Gottesdienst in der Hildegardis – Schule unter dem
Motto: „Salbe die Menschen mit Barmherzigkeit und Trost, wie der Sohn
Gottes“...
Am Samstag referierte Frau Dr. med. Angelika Pokropp-Hippen,
Münster zum Thema „Leib-Seele-Einheit“ - Die Psychosomatik
bei Hildegard v. Bingen.“ ...
Bei Abschluss und Zusammenfassung der Tagung wurde der Wunsch
geäußert, öfter eine Tagung abzuhalten und dabei nur
ein Thema zu behandeln. Als Tagungsorte wurden die Wirkungsstätten
der hl. Hildegard wie Bingen oder Eibingen vorgeschlagen oder auch z.B.
Köln.
Die anwesenden Ärzte und Heilpraktiker wünschten wieder ein
Treffen des therapeutischen Arbeitskreises.
Von den Teilnehmern wurde die wohlwollende Atmosphäre, die
Qualität der Vorträge und die Möglichkeit zu vielfachen
Kontakten lobend erwähnt.
Die Hl. Hildegard in der Slowakei?
Hildegardfresko aus dem 13.
Jahrhundert am Fuße der Karpaten wiederentdeckt.
Bericht von Klaus Strickerschmidt, Bingen.
Vor etwa zwei Jahren fand der evangelische Pfarrer von
Dobsina/Slowakei, nahe der Hohen Tatra, auf der Suche nach einem
Ansprechpartner die Homepage unserer Gesellschaft und nahm Kontakt zu
uns auf, was dann zu einer Einladung führte.
In seiner Kirche war nämlich bei Renovierungsarbeiten ein Fresko
einer schreibenden Nonne mit Heiligenschein entdeckt worden, das etwa
um das Jahr 1300 entstanden ist. In der Reformationszeit
übertüncht, schlummerte es unter einem dünnen Anstrich
in der evangelischen Kirche...
Wie aber kommt Hildegard in die Slowakei?...
Bertram Projekt - Sambia Foundation
Dr. med. Louis van Hecken, Belgien
übersetzt von Hildegard Strickerschmidt
Im Oktober 1990 empfing ich die medizinischen Werke Hildegards von
Bingen durch die Hand von Mutter Miriam Verheijen-Biesemans, wodurch
die Idee entstand, Bertram nach Afrika zu bringen. Nachdem ich den Text
über Bertram in Hildegards Buch „Physika“ gelesen hatte, verstand
ich, dass diese Pflanze eine wichtige Rolle spielen würde in den
bedrängenden tropischen Krankheiten wie Malaria und HIV/Aids.
Folgendes schreibt Hildegard über Bertram:
„Der Bertram ist von
gemäßigter und etwas trockener Wärme, und diese rechte
Mischung ist rein und erhält gute Frische. Denn für einen
gesunden Menschen ist er gut zu essen, weil er die Fäulnis in ihm
mindert und das gute Blut in ihm vermehrt Er bereitet ihm einen klaren
Verstand. Aber auch dem Kranken, der in seinem Körper schon schwer
geschädigt ist, bringt er die Kraft zurück...Im Menschen
schickt er nichts unverdaut hinaus, sondern bereitet ihm eine gute
Verdauung. Und einem Menschen, der viel Schleim im Kopf hat und
Bertraum häufig isst, dem mindert er den Schleim im Kopf. Aber
auch häufig gegessen vertreibt er die
Brustfellentzündung und bereitet er reine Säfte im Menschen.
Er macht seine Augen klar. Und auf welche Weise immer er gegessen wird,
trocken oder in einer Speise, ist er nützlich und gut sowohl
für den gesunden als auch für den kranken Menschen. Denn wenn
ein Mensch ihn oft isst, vertreibt er von ihm die Krankheit und
verhindert, dass er krank wird. Dass er beim Essen im Mund die
Feuchtigkeit und den Speichel hervorruft, kommt daher, dass er die
üblen Säfte herauszieht und die Gesundheit zurückgibt.“
(Physika, Erstes Buch, Cap 1-18)
Was ist Bertram? (ancyclus pyrethrum)
Ich verstand, dass dieser Text von Infektionskrankheiten handelt,
speziell jenen Infektionen, welche das Blut betreffen, z.B. Malaria und
HIV/Aids. Die aktiven Komponenten der Bertram-Wurzel sind gut bekannt
und beschrieben. Die wichtigste ist Pyrethrin....
Ergebnisse moderner Forschungen mit anacyclus pyrethrum finden sich im
Internet, in der homepage der National Library of Medicine. Wir
betrachten diese moderne wissenschaftliche Forschung als eine
Bestärkung der Weisheit der heiligen Hildegard....
(Fortsetzung über das Sambia-Projekt in der nächsten Ausgabe.)
Buchbesprechungen
Sehr erfreulich – neu aufgelegt
Hildegard von Bingen „Die Heilkraft
der Natur – Physika“
Das Buch von dem inneren Wesen der verschiedenen Naturen der
Geschöpfe
538 Seiten
Christiana-Verlag, CH – 8260 Stein am Rhein
Postfach 174
Bestellungen: orders@christiana.ch,
Tel. 0041 (0)52 741 41 31, FAX 0041(0)52 441 20 92
ISBN: 978-3-7171-1129-0
Preis: € 26.--
Nach einigen Jahren des Wartens legt der Christiana-Verlag dieses
Hildegard-Buch wieder neu auf, nachdem es zuletzt im Jahre 1997
gedruckt wurde. Es ist einer von den zwei Teilen des medizinischen
Werkes von Hildegard von Bingen. In neun Büchern werden darin etwa
500 Kräuter und Bäume, Tiere sowie Edelsteine, Metalle und
Flüsse beschrieben. Angegeben ist die medizinische Brauchbarkeit,
die in etwa 2000 Rezepten beschrieben ist.
Dieses Buch ist die erste vollständige Übersetzung der
„Physika“ und fußt auf der Pariser Handschrift, die nach dem
Jahre 1300 entstanden ist. Allerdings steht bis heute noch eine
textkritische Bearbeitung aus, weshalb ein sorgfältiger Umgang
notwendig sind. Wer möglichst nahe an die Quellen der Aussagen der
hl. Hildegard herankommen und sich nicht auf zeitgenössische
Interpretationen allein verlassen will, der sollte sich die Physika
beschaffen.
Die Neuauflage ist mit einem ansprechenden outfit versehen: mit dem
bekannten Glasfenster mit der hl. Hildegard farbig gut gestaltet. Im
Mittelteil finden sich einige schöne Farbbilder von Heilpflanzen.
Über das Buch verteilt wurden kurze historische Informationen
eingeschoben z.T. mit Bildern und besinnlichen Texte
Besonders hervorzuheben sind die Ergänzungen im Steinbuch. Es wird
zu jedem Stein ein Vergleich dazu gezogen, was zu Hildegards Zeit von
anderen Autoren bekannt war. Das für Kenner nicht erstaunliche
Ergebnis lautet: Die Übereinstimmungen sind äußerst
dürftig, der größte Teil der hildegardischen Hinweise
sind original.
Erfreulich ist auch der angefügte Text von Sr. Cäcilia Bonn
OSB, Abtei St. Hildegard, D – Eibingen zu den Themen: „Der Mensch
hält das Weltnetz in der Hand“ und „Gott und Mensch im Kampf mit
dem Bösen in der Schau der hl. Hildegard.
Wer die Physika bis jetzt noch nicht besitzt, dem wird der Erwerb
dieser Neuauflage empfohlen.
Nicht zu empfehlen
Petra Welzel „Hildegards Lied“
Der Roman über die Klostergründerin von Bingen
Krüger Verlag
Das Buch wird vom Verlag folgendermaßen angekündigt: „Ihr
Vater will die junge Hildegard an einen Adligen verheiraten. Doch sie
liebt Erik, einen Troubadour. Nur ein Ausweg bleibt: sie flüchtet
ins Kloster...“
Geschmackloser konnte es nicht kommen. Dieses Buch trifft in seiner
gefällig daherplätschernden Erzählweise genau die
Lesegewohnheiten des heutigen Lesers. Wer aber auch nur eine leise
Ahnung von Person, Leben und Werk der hl. Hildegard von Bingen hat,
glaubt in der falschen Abteilung gelandet zu sein oder sich im Namen
verlesen zu haben. Es ist ein Roman, ein Liebesroman, bei dem eine
sympathische, freundliche Nonne im Mittelpunkt steht, die für jede
x-beliebige Nonne stehen kann. Sie hilft kranken Menschen mit ihren
mittelalterlichen Kräuterrezepturen, welche sie von einer alten
Kräuterfrau übernommen hat. Die besondere Fähigkeit,
gelegentlich künftige Ereignisse vorauszusehen oder religiös
bedingte Lichterscheinung zu haben, lässt beim Leser falsche
Assoziationen mit Hildegard von Bingen aufkommen. Als wichtigstes, den
Roman durchziehendes - aber absolut unhistorisches - Geschehnis steht
die Liebe zu dem Troubadour Erik, die in der Manier der heutigen
Trivialliteratur beschrieben wird. Das vermeintlich Spannende daran
soll sein, dass sich diese Nonne einfach nicht zwischen Kloster und
Mann entscheiden kann.
Die Autorin gibt ihr den Namen Hildegard und mischt willkürlich
einige angebliche Vorkommnisse aus dem Leben der hl. Hildegard von
Bingen unter, die aber auf weite Strecken nicht den historischen
Tatsachen entsprechen. Man fragt sich, mit welcher Absicht dieses Buch
gedruckt wurde. Ganz sicher nicht, um Hildegard von Bingen als
große Frau – wie es in der Ankündigung heißt – den
Menschen näher zu bringen. Ich kenne kein Buch, in dem die Gestalt
der hl. Hildegard gravierender verzeichnet ist.
Was müssen sich die hl. Hildegard von Bingen, eine der
größten geistigen Erscheinungen des christlichen Abendlandes
und diejenigen, die sie verehren, noch alles bieten lassen?