Vorwort
Diese Nummer unserer Zeitschrift erscheint im Monat September. In
diesen Monat fällt das Fest der hl. Hildegard von Bingen; ihr
Todestag ist der 17. September 1179. Nach alter Tradition der Kirche
wird ein Heiliger immer an seinem Sterbetag gefeiert, d.h. an dem Tag
des Übergangs in das geistige Reich Gottes.
Die sterblichen Überreste eines bewunderten Menschen werden auch
nach seinem Tode verehrt, da dadurch eine besondere Nähe und
Verbundenheit mit ihm erlebt wird.
Die Gebeine der hl. Hildegard ruhen in der Wallfahrtskirche in
Eibingen/Rhein, aber manche sind auch in viele Gegenden der Welt
verstreut. In Eibingen wird alljährlich am 17. September ein
großes Fest zu Ehren der hl. Hildegard gefeiert unter Anteilnahme
von oft mehr als 1000 Menschen. Die Verehrung kann verschiedene
Gründe haben: Einerseits ist es die Person und ihr Charisma,
andererseits aber auch ihre herausragenden Erkenntnisse, die sie uns
hinterlassen hat. Viele Menschen können von erstaunlichen
Wirkungen ihrer Heilmittel berichten. Doch die vordergründige
Suche nach Rezepten und Heilanwendungen darf nicht die Gesamtschau
Hildegard verdecken.
Alles ist aufeinander bezogen und aufeinander angewiesen in der grossen
Schöpfungsordnung Gottes. Leider finden wir aber in den letzten
Jahren auch zunehmend Biographien und Romane, die ihre Person und ihr
Werk vielfach verzeichnen und verfälschen. Es ist nicht
einfach, ihrer Originalität und Universalität gerecht
zu werden. Gleichwohl ist ihr Werk ein geschlossenes Ganzes, das in
sich stimmig ist. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Hildegard von Bingen
in ihren vielfältigen Facetten bekannt zu machen. Daran richten
sich auch die Regionalgruppen in ihren Programmen aus und das spiegelt
sich auch in unseren Tagungen wider.....
Hildegard Strickerschmidt
Präsidentin
Sehen, um zu erkennen - das menschliche Auge
Auszug aus dem Vortrag von Dr. med. Michael Ptok und Agnes Ptok,
HP, Bielefeld bei der Jahrestagung 2004 in Mariastein.
Dem menschlichen Auge kommt eine besondere Faszination zu. Wenn
wir jemanden gegenüber treten und intensiv anschauen, so wandert
der erste Blick erfahrungsgemäß zuerst in das rechte und
dann in das linke Auge. Der Volksmund sagt,
die Augen sind der Spiegel der Seele
oder aber auch der Spiegel des Lebens....
Diese Erfahrungen des täglichen Lebens finden bei Hildegard von
Bingen eine besondere Würdigung. Bereits in der Hildegard -
Zeitschrift 93/200, S.4 ist auf die übergeordnete Stellung des
Auges in den Schriften Hildegards hingewiesen. (WM S. 156)...
Die besondere Hervorhebung des Auges, das dem Menschen 10 x mehr
Informationen liefert als alle anderen Sinne zusammen, ist Hinweis
auf eine besondere Aufgabe...
Bevor auf die weitere Bedeutung dieser Sinnesorgane eingegangen wird,
sollen kurz der Aufbau (Anatomie) und die Funktionsweise
(Physiologie) beschrieben werden...
Anatomie und Physiologie der Augen...
Der Augapfel besteht aus 3 Häuten und 3 Räumen...
Seh- und Erkennvorgang
Entstehung des Bildes auf der Netzhaut...
Sehen und anschließendes Erkennen ist also zweierlei, d.h.
hierfür sind zwei unterschiedliche Organsysteme zuständig!...
Farbsehen und Schwarz-weiß-sehen...
Hildegard von Bingen weist immer wieder auf die lebenskraftspendende
Farbe GRÜN als Grünkraft – Viriditas hin.
„Wem die Augen schwach werden soll hinausgehen auf eine grüne
Wiese und sie so lange anschauen, bis die Augen wie vom Weinen nass
werden.“(CC)...
Räumliches Sehen
Die Wahrnehmung der Welt mit zwei Augen ermöglicht uns ein
besonderes Drei- dimensionales Sehen ...
Das Phänomen der optischen Täuschung
Sehen wir nun mit unseren Augen alle das Gleiche? Sie können sich
selbst eine Antwort geben...
Gehirntäuschung durch konstante Größen...
Täuschung durch Kipp- oder Inversionsfiguren...
Die Frazersche Spirale besteht nur aus bandförmig gestrichelten
Kreisen. Trotzdem meinen wir sicher, eine Spirale zu sehen, weil der
bänderartige Hintergrund uns irritiert ..
Sehen um zu erkennen
Wir erfassen unsere Welt mit unseren Sinnen. Das Sehen macht den
größten Teil der Wahrnehmung unserer Umwelt aus. Es
ergänzt sich mit allen Sinnen, so dass wir unsere Welt
ganzheitlich erfahren...
Voraussetzungen für richtiges Sehen und Erkennen sowie Handeln
sind:
- Ständiges Üben und Schulen der Sinne und des
Verstandes
- Richtiges, sinngebendes Hinsehen
- Anstreben von Eindeutigkeiten zur richtigen Beurteilung der
Lage und Handlungsweise...
Die Verantwortung für das rechte Hinschauen beschreibt Hildegard
von Bingen:
„Du hast Augen, damit Du
alles überschauen kannst. Wo Schmutz ist, wasche ihn ab, was
dürr ist, lass grün werden und sorge, dass deine Gewürze
schmackhaft sind. Wenn du keine Augen hättest, könntest du
dich entschuldigen.“...
Verschiedene Blickarten
Eine genauere Analyse der Blicke mit den zu Grunde liegenden Emotionen,
Stimmungen und Geisteshaltungen ist nach den Ausführungen von Frau
W. Castrian möglich...
Zum Abschluss der Ausführungen sollen noch einige Zitate stehen,
mit denen Hildegard auf die Bedeutung und Aufgaben der Augen hinweist.
„Mit den Sinnesorganen schaut
der Mensch alle Schöpfung, erkennt sie, unterscheidet sie, teilt
sie auf und gibt ihr die Namen.“ (WM S. 86)
Damit haben die Sinnesorgane eine wesentliche Funktion bei der biblisch
begründeten Aufgabe, sich die Welt im Auftrage Gottes und in der
Verantwortung vor Gott untertan zu machen...
„Der Mensch sieht mit den
Augen, was er durch Weisheit versteht... Was aber in seinem Herzen sich
sammelt, dass weiß er durch das Erkennen und schaut dieses nicht
mit den Augen.“ (WM S. 107)...
Literatur:
Hildegard von Bingen: Causae et curae (CC)
Hildegard von Bingen: Mensch in der Verantwortung
Wilma Castrian: Lehrbuch der Psycho-Physiognomik, Haug-Verlag, 1.Aufl.
Ingeborg Wagner, Psychologie, Orbis Verlag,
Hersg.Winfried Nerdiger: Elemente künstlerischer Gestaltung, Mit
Eckart Bergmann, Verlag Martin Lurz, München 1986,
Pflanzliche Heilmittel für die Augen
Bereits im Heft Nr. 91 vom Dezember 2004 (Referat von Elsbeth Vetter)
haben wir einige pflanzliche Heilmittel für die Augen
veröffentlicht, nämlich:
- Poleiminze
- Veilchen
- Farn
- Einfache Rebtropfen
Erfahrungen mit Augenheilmitteln
Es gibt Hildegard-Freunde, die schon längere Zeit Hildegard-Mittel
anwenden. Vielleicht gibt es bereits Erfahrungen auch mit den vier
vorgenannten Heilmitteln, da inzwischen ja schon wieder neuen Monate
verstrichen sind. Es wäre sehr wichtig, diese und andere
Erfahrungen anderen Menschen mitzuteilen, damit auch sie ermutigt
werden, sich darauf einzulassen. Wie bereits mehrfach
erwähnt, veröffentlichen wir, auf Wunsch anonym, diese
Erfahrungsberichte. Bitte schicken uns solche.
In der Hoffnung, dass sie gute Resonanz finden, berichten wir heute von
weiteren Augen - Heilmitteln, die Hildegard von Bingen in ihrer
„Physika - Heilkraft der Natur“ und ihrer „Causae et Curae –
Heilwissen“ beschrieben hat.
Der Alant wurde im Heft Nr. 93
vorgestellt, der bei Lungenschmerzen und beginnender Augentrübung
verwendet werden kann.
Rezept:...
Fenchel
für klares Sehen
Der Fenchel wird bei Hildegard als vielfältiges Heilmittel
beschrieben...
Melisse
„wenn das Weiße im Auge wächst“
Die Melisse ist bekannt und wächst in fast allen Gärten.
Fast nicht bekannt ist, dass sie bei Augenkrankheiten hilft...
Judenkirsche
Bei Verdunkelung der Augen
Die Judenkirsche ist eine eher unbekannte Pflanze... Auch die
Heilanweisungen Hildegards sind weithin nicht bekannt. Es sind fast
ausschließlich äußerliche Anwendungen...
Rosenblatt
Bei triefenden Augen
Die Rose wird als die „Königin“ unter den Blumen bezeichnet.
„Der Salbei tröstet, die Rose
erfreut“, so steht es bei Hildegard.
Sie weiß aber darüber hinaus von den verschiedensten
Heilwirkungen; deshalb soll die Rose allen Heilmittel beigefügt
werden, damit se umso besser helfen...
Schafgarbe
Augen durch Tränen verdunkelt
Die Schafgarbe ist ein äußerst vielseitiges Heilkraut und
auch für die Augen verwendbar...
Ingwer
Bei geschwürigen und trüben Augen
Ingwer ist bei uns weithin als schmackhaftes Gewürz bekannt;
Hildegard aber schreibt, dass er einem gesunden und fetten Menschen
schadet, weil er ihn matt und zügellos macht. Nur einem schwachen
Menschen ist er von Nutzen. Hingegen ist er als Heilmittel bei
verschiedenen Krankheiten hilfreich...
Bertram und Wermut
„Klärt die Augen“
Diese beiden Pflanzen sind Hildegard-Kennern ein Begriff... Bei beiden
Pflanzen steht:
„Klärt die
Augen“...
Süßholz
Für klare Augen...
Süßholzwurzel ist in Reformhäusern und auf Märkten
käuflich zu erwerben. Lakritz ist gepresster
Süßholzsaft.
Der Tannenbaum
klärt die Augen bei Erkältungen...
Buchbesprechung
Dr. Alfons Berkmüller
Arzt und Priester
„Leib und Seele - Hildegardheilkunde
in neuer Sicht“
Im Selbstverlag
Kontaktadresse: Margot Huber, Hildegardforum München, Baldurstr.
75, 80638 München
Das zentrale Anliegen dieses kleinen Buches ist die Suche nach einem
neuen ganzheitlichen Menschenbild, wie wir es bei Hildegard von Bingen
finden... In den einzelnen Kapiteln geht es um Leib und Seele, um den
psychologisch-anthropologisch-theologischen Hintergrund ihrer
Heilkunde, um das Gebet als Hilfe zur Stärkung des Immunsystems,
um Immunologie und Abwehrsystem, vor allem bei Krebs... "Psychisches drückt sich also direkt
und ohne jede bewusste Lenkung in körperlichen Bewegungen aus."(S.33)...
Abschließend stellt er fest: „Der
Mensch kann nicht gesund, nicht heil werden, wenn er nicht zum Ursprung
zurückkehrt. Ohne Religion ist der Mensch halt- und heimatlos.“(S.
76)
Beim Literaturnachweis werden außer den Hildegard-Schriften keine
Angaben zur weiteren verwendeten Literatur gemacht.
Im Anhang findet sich in Pater Alfons` Handschrift aus seinem
Notizbüchlein ein kleines Verzeichnis von Hildegard-Heilmitteln,
des weiteren werden von Margot Huber noch Kurztexte der ersten
fünf Tugend-Lasterpaare aus Hildegards Buch der Lebensverdienste
(Liber vitae meritorum – LVM) angefügt, versehen mit einigen
pastelligen Zeichnungen.
Erfahrungsbericht
Die Verfasserin ist der Redaktion bekannt. Dieser Bericht fasst die
Erfahrungen vieler Jahre in Kürze zusammen.
Mit den Heilmitteln der hl. Hildegard kann man nur gewinnen... dem
bekannten Petersilien - Honig – Wein, der ein gutes
Herzstärkungsmittel ist...
Durch den Bertram - Anthemis Pyrethrum bzw. Anacyclus Pyrethrum - wurde
die Nase langsam durchlässiger.. nachdem ich über 20 Jahre
lang eine verstopfte Nase hatte...
Von nun an kaufte ich nur noch Kräuterheilmittel...
In der Gebärmutter wurden Myome festgestellt, die ich nach dem
Hildegard-Rezept mit Mutterkraut–Suppe behandelte...
Voriges Jahr stürzte ich auf der Marmorstiege und schlug mir auf
dem Ellbogen eine drei cm hohe Beule auf. Ich nahm den Amethyst
(Edelstein)...
Vor zwei Monaten verstauchte ich mir Sprunggelenk und Fersenbein
schwer. Es war sehr schmerzhaft, so dass ich für einige Tage nicht
auftreten konnte. Wieder nahm ich den befeuchteten Amethysten und
strich immer wieder um den ganzen Fuß herum. Die Geschwulst und
der Bluterguss verkleinerten sich zusehends...
Nach diesen Erfahrungen weiß ich, dass Hildegard-Mittel immer
nützen und darauf vertraue ich auch weiterhin.
Nachrichten aus der Gesellschaft
Anfrage
Vor wenigen Wochen war eine schweizerische Hildegard-Freundin, die nach
Australien ausgewandert ist, bei uns in Bingen, um die
Hildegard-Stätten zu besuchen und mit uns in Kontakt zu treten.
Sie hat uns gebeten, diese Anfrage in unsere Zeitschrift aufzunehmen:
Gesucht werden Hildegard Freunde in Australien, zur Interessenspflege
und Verbreitung von Hildegard's Wissens, oder Gruendung eines Hildegard
Vereins.
Wer jemanden kennt oder auf andere Weise weiterhelfen kann, der melde
sich bei:
Annette Krah, 12 Spinebill Ramble, Margaret River 6285,
WA Australien.
E-mail: asukrah@gmx.net
Nachruf
Wir haben die betrübliche Nachricht zu geben, dass Hans-Lothar Freiherr von Racknitz,
Disibodenberg,
am 1. April 2005 im 81. Lebensjahr unerwartet verstorben ist.
Er war Mitbegründer der Disibodenberger SCIVIAS-Stiftung und des
Disibodenberger Hildegardis-Fördervereins. Mit großem
Engagement und Tatkraft setzte er sich für die Erhaltung und
Sicherung der Klosterruine ein und für die Errichtung einer
würdigen Gedenkstätte für die hl. Hildegard, die hl.
Jutta und den hl. Disibod. Viele Besuchergruppen konnten ihn bei
seinen Führungen erleben.
Mit viel Sachverstand und unermüdlicher Kleinarbeit schuf er das
geräumige Museum neben dem Klosterhof mit vielen wertvollen
Exponaten vom früheren Kloster. Ein Geschichtsfries entlang der
Wände gibt Auskunft über die Geschehnisse auf dem
Disibodenberg im Lauf der Jahrhunderte.
Er unterstützte seine Frau, Freifrau Ehrengard von Racknitz,
Besitzerin des Berges, bei vielen Aktionen wie dem Bau der neuen
Kapelle und der Erstellung des Meditationsweges.
Der beste Dank für sein Lebenswerk wäre, wenn weiterhin viele
Besucher diesen wunderschönen Ort, den Disibodenberg, besuchen
würden.