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Hildegard-Film "Vision"

Im September 2009 kam der Film von Margarethe von Trotta: „Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“ in die Kinos.  
Er hat die Bekanntheit Hildegards weiter gefördert.
Leider fielen uns bereits bei dem uns vorab zugesandten Kurzinhalt zum Film einige Ungenauigkeiten und Unstimmigkeiten auf, wie z.B. „..Hildegard... wurde in das Kloster Disibodenberg gebracht,... dem Abt Kuno vorstand.“ Es ist völlig unmöglich, ein Mädchen in ein Männerkloster zu bringen. Richtig ist, dass Hildegard  mit Jutta in einer abgeschlossenen Klause neben dem Kloster wohnte.
Des weiteren: „... Hildegard... wird von Jutta von Sponheim erzogen, die sie auch in die Geheimnisse der Naturheilkunde einweiht....“ Diese Aussage ist durch nichts belegt und Hildegard nennt ihre Meisterin Jutta nie in Zusammenhang mit ihrer Naturheilkunde. Die anderen Stellen zu besprechen, würde zu weit führen.

Der Film zeigt das Klosterleben um die Jahrtausendwende der Jahre 1000/1100. So gesehen zeichnet er ein recht authentisches Bild von den damaligen Zuständen. Die Atmosphäre im Film hinterlässt einen schwermütigen Eindruck; vor allem die Mönche erinnern eher an finstere Gestalten, was durch die dunklen Räume noch verstärkt wird. Dabei ist die schauspielerische Leistung durchaus positiv.

Die Hauptsache jedoch fehlt im Film. Die Genialität und Ausstrahlungskraft der Seherin Hildegard von Bingen, die Substanz ihres Werkes, das, was Hildegard zeitlos macht und weshalb sich auch der moderne Mensch für sie interessiert, kommt überhaupt nicht zur Sprache. Sicher gibt es einige Anspielungen auf die Visionen, die aber am Kern der Sache vorbeigehen. Dagegen werden einige Zitate Hildegards über die „Sexualkraft des Mannes“, genüsslich vorgetragen.

Als Zugeständnisse an den vermuteten Publikumsgeschmack werden wohl einige Szenen eingefügt, wie z.B. die Schwängerung einer Nonne durch einen Mönch oder die tendenziöse Darstellung der Beziehung zwischen Hildegard und Richardis von Stade als lesbische Freundschaft.
Dort, wo von der Naturheilkunde die Rede ist, wird unterstellt, dass es sich um zeitgenössisches Wissen handelt, das z.T. auf die Araber zurückgeht. Wie ernsthafte wissenschaftliche Nachforschungen ergeben haben, schrieb die hl. Hildegard aber eine vollständig originale eigenständige Heilkunde.

Es stellt auch eine Verzeichnung der Persönlichkeit Hildegards dar, wenn sie als emanzipierte ehrgeizige „Power-Frau“ gezeigt wird, die sich gegen die Männerwelt der Kirche gestellt und sich mit allen Mitteln Geltung verschafft hat. Im Gegensatz dazu war sie eine Mahnerin für Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit ohne Ansehen der Person und des Standes.

Im Auftrag des Vorstandes
Hildegard Strickerschmidt